Seit dem Jahr 2000 ist der CO2-Ausstoß der 40 Staaten, die das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben, stetig angestiegen, erklärte das UN-Klimasekretariat. Der Anstieg betrug bis zum Jahr 2006 durchschnittlich 2,3%, das entspricht 403 Milliarden Tonnen CO2. Die größten Emissions-Zunahmen wurden in den ehemals kommunistisch regierten Staaten in Zentral- und Osteuropa verzeichnet. Der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, sieht diese Zahlen als eindringliches Signal für die Bedeutung der am 1. Dezember beginnenden Weltklimakonferenz in Posen (Polen). Trotz des allgemeinen Anstiegs haben die Kyoto-Industriestaaten insgesamt ihre Klimaziele erreicht. 1990 wurde angestrebt, bis zum Jahr 2012 den Ausstoß von Treibhausgasen um 5% zu senken, im Jahr 2006 lag die Ausstoßmenge 16,7% unter der von 1990. Dies betrifft jedoch längst nicht alle Länder, neben Deutschland liegen auch die Niederlande und Italien noch hinter ihren Zielen zurück.
Die Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Klimaverhandlungen lassen sich nach de Boer noch nicht abschätzen. Eine geringere Wirtschaftsleistung geht üblicherweise mit einem geringeren Energieverbrauch einher, was auch geringere Emissionen bedeutet. Wenn der Ölpreis sinkt, fühlen sich die Verantwortlichen jedoch weniger unter Druck, energieeffiziente und klimafreundliche Alternativen zu fördern und zu entwickeln.
Von der Weltklimakonferenz erwartet de Boer die Einigung auf eine erste Version eines Vertragstextes, bei dem es um den Klimaschutz nach 2012, also dem Zeitpunkt nach Ablaufen des Kyoto-Protokolls, geht. Unklar ist ebenfalls, wie Entwicklungs- und Schwellenländern bei der Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels von den Industriestaaten geholfen werden kann. (mh)