Derzeit sehen sich viele Mitarbeiter vom Halbleiterspezialisten Qimonda nach einem neuen Job um, da die Angst umgeht, dass ihr Arbeitgeber trotz Sparmaßnahmen in den nächsten Wochen Pleite gehen könnte. Die Beschäftigten dürfen sich jedoch berechtigte Hoffnungen machen, da sich in den letzten Jahren viele Solartechnikunternehmen in Ostdeutschland angesiedelt haben und immer noch Mitarbeiter suchen. Zwar seien die Folgen der Finanzkrise hier auch spürbar, jedoch allenfalls in Form verzögerter Aufträge und Ausbaupläne, geben sich die Hersteller von Solarzellen zuversichtlich.
Gerade in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt haben sich in den letzten Jahren viele Solartechnikunternehmen angesiedelt, da sie in den neuen Ländern noch immer mit höheren Subventionen und geringeren Löhnen als im Westen rechnen können. Inzwischen arbeiten allein in Ostdeutschland rund 15.000 Beschäftigte in der Branche, bundesweit sind es 46.000 Beschäftigte.
Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) freut sich: „Es brummt trotz Wirtschafts- und Finanzkrise.“ So ergeben sich für ehemalige Mitarbeiter der Halbleiterbranche gute Chancen. In der Solarbranche heißt es, dass bereits jetzt schon viele Bewerbungen von dort kämen. Das konnte auch Bernd Rau, Vize-Präsident von Roth & Rau, die im sächsischen Hohenstein-Ernstthal Anlagen zur Oberflächenbehandlung von Solarzellen herstellen, bestätigen. „Da geht einer aus der Tür raus und durch eine andere hinein“, erklärte er. Derzeit kann sich der Manager die Leute aussuchen, denn nicht nur Qimonda sondern auch deren Mutter Infineon streicht weltweit mehrere Tausend Stellen. Ein Werk befindet sich ebenfalls wie Qimonda in Dresden. Durch den Einstieg eines Investors aus Abu Dhabi steht derzeit ohne finanzielle Probleme in der Chipindustrie an der Elbe nur AMD da.
Die Solarbranche macht kein Geheimnis daraus, dass die Mitarbeiter allerdings auch finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. Sjouke Zijlstra, Geschäftsführer des Solartechnikherstellers Arise Technologies Deutschland in Bischofswerda räumte ein, zehn Prozent weniger Lohn könnten es schon sein. Ebenso wie die Halbleiterindustrie arbeitet die Solarbranche hauptsächlich mit Silizium und deshalb können Beschäftigte problemlos wechseln. Solarfabriken sind allerdings wesentlich günstiger als Chipwerke, was in der Finanzkrise einen enormen Vorteil bietet, da Banken kaum noch Kredite für große Bauvorhaben vergeben und private Investoren auch zurückhaltend sind. Im Frühjahr hatte Qimonda selbst noch angekündigt, mit einem Partner zusammen in die Solarzellen-Fertigung einzusteigen. Die Halbleiterspezialisten müssen inzwischen allerdings froh sein, wenn sie ihr Kerngeschäft vor dem Untergang retten können. (sk)