Nach der aktuellen Ausgabe der Studie “Stromkunden-Wechselbarometer” des Marktforschungs- und Beratungsinstituts psychonomics AG sind auch angesichts sinkender Energiepreise weiterhin 37% der Stromkunden zu einem Wechsel ihres Stromanbieters bereit. Der Studie zufolge liegt das konkrete Wechselpotenzial für die nächsten 12 Monate bei 20%, das entspricht rund 8 Millionen Haushalten. Da es in kaum einem anderen Dienstleistungsmarkt so viele spontane Anbieterwechsel gibt wie im privaten Strommarkt, dürfte die Wechselstimmung bei vielen Kunden noch steigen, wenn zum Beginn des neuen Jahres die Preise wieder erhöht werden.
Besonders wechselwillig sind die Kunden der Großkonzerne EnBW (23%) und RWE (20%). Die Bestandskunden von Vattenfall (16%) und E.ON (11%) sind deutlich weniger wechselbereit. In der Regel wechseln die Kunden der “Großen Vier” zu Discount-Anbietern. Aber auch in diesem Bereich wollen 19% zu einem anderen Billig-Anbieter wechseln.
Werner Grimmer, Senior Manager der psychonomics AG, vergleicht den privaten Strommarkt bzgl. des Wechselverhaltens der Kunden mit dem Mobilfunkmarkt. Genau wie dort reagieren die Kunden auch hinsichtlich der Strompreise sehr sensibel auf Erhöhungen. Das zeigt sich auch in den Gründen für den Stromwechsel, die von den Befragten angegeben wurden: 68% wünschen sich einen günstigeren Anbieter und 26% wollen den Anbieter wegen aktueller oder angekündigter Preiserhöhungen wechseln. 5% der Befragten sind mit der Kundenbetreuung ihres Anbieters unzufrieden und weitere 5% wollen ihren Strom gezielt von einem Ökostrom-Anbieter beziehen. Mit zunehmender Sensibilität und wachsendem Informationsstand steigt die Wechselbereitschaft, die meistens durch Informationen im Internet (24%), Werbung von Anbietern (20%) und Gesprächen mit Freunden (16%) angestoßen wird. Jeder fünfte Wechsler nutzt zur Auswahl des neuen Anbieters Stromtarif-Vergleichseiten im Internet. Wer einmal den Stromanbieter gewechselt hat, zeigt auch zukünftig eine höhere Wechselbereitschaft.
Die Einstellung der Verbraucher gegenüber Ökostrom ist weitgehend positiv (60%) oder neutral (32%). Für Ökostrom tiefer in die Tasche zu greifen, sind 18% der Befragten bereit. Aktuell nutzen 9% der Bürger einen Öko-Tarif ihres Stromanbieters, 6% versorgen sich über erneuerbare Energiequellen teilweise selbst mit Strom und 4% beziehen ihren Strom von einem speziellen Ökostrom-Anbieter. Bei den höher gebildeten und den Kunden bis 45 Jahre ist die Wechselbereitschaft zu einem Ökostrom-Anbieter besonders hoch.
Für die Studie wurden 1500 Bundesbürger ab 18 Jahren befragt. Dabei ging es um ihr Verhalten und ihre Einstellungen als private Stromkunden und um den Entscheidungsprozess beim Anbieterwechsel. (mh)