Laut dem NABU kann auch das Wattenmeer von einer Öl-Katastrophe heimgesucht werden. (Foto: © US Coast Guard)
Dem Golf von Mexiko droht nach dem Untergang der Bohrinsel “Deepwater Horizon” eine der größten Ölkatastrophen aller Zeiten. Der Öl-Teppich, der sich auf dem Weg an die empfindliche Südküste der USA befindet, hat mittlerweile eine Größe von 10.000 Quadrat- kilometern erreicht. Das entspricht der Größe des Wattenmeers. “Der Ölteppich hat inzwischen die ersten Inseln und Küstenab- schnitte erreicht, jetzt drohen verheerende Auswirkungen für Zehntausende in der Region brütende Küstenvögel wie Braun- pelikane und Rötelreiher”, sagt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Zahlreiche Strandbrüter wie Seeregenpfeiler und Scherenschnäbel seien dem Öl in der Brutsaison besonders schutzlos ausgeliefert. Außerdem seien auch Delfine, Meeresschildkröten und Fische, die im verzweigten Mississipi-Delta aufwachsen, von der riesigen Ölpest bedroht.
Laut dem NABU ist die Gefahr von Ölunfällen nicht auf Übersee beschränkt. Die Bohrinsel “Mittelplatte A” befindet sich mitten im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Unesco-Welterbegebiet. “Ein Ölunfall in dem äußerst empfindlichen Wattenmeer könnte unter anderem den gesamten europäischen Bestand der Brandgans gefährden”, warnt NABU-Wattenmeerexperte Dominic Cimiotti. Vor diesem Hintergrund fordert der NABU den Verzicht auf die geplanten weiteren Ölbohrungen im Wattenmeer. Denn anstatt die bestehende Plattform zurückzubauen, plane das Betreiber- konsortium um RWE-DEA die Ölförderung im Wattenmeer sogar weiter auszubauen. Weitere Gefahren drohen durch den stetig steigenden Schiffsverkehr entlang der deutschen Küsten. So gehören die südliche Nordsee und auch die Kadetrinne westlich von Rügen zu den meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt. Jahr für Jahr passieren auch zahlreiche Tanker dieses Nadelöhr. Der NABU fordert deshalb größere Kapazitäten bei Hochsee- schleppern, eine Lotsenpflicht in gefährlichen Schiffspassagen und eine lückenlose Überwachung über automatisierte Schiffssysteme.
Aktuell arbeitet Bohrinsel-Betreiber BP mit Hochdruck an einer Möglichkeit, das Leck der “Deepwater Horizon” zu verschließen. Dazu soll eine Glocke aus Stahl und Beton über das Leck gestülpt werden, um das austretende Rohöl absaugen zu können. Diese Technik wurde jedoch bislang nur in niedrigen Gewässern eingesetzt. Das Leck der “Deepwater Horizon” befindet sich jedoch in 1.500 Metern Tiefe.