Millionen Fische, Meeressäuger und Vögel fliehen vor der Ölpest in Richtung der Küsten. (Foto: © NASA)
Während der Ölkonzern BP auch nach Wochen immer noch keine Antworten und Lösungen dafür hat, die unvorstellbaren Ölmengen, die seit dem 20. April unaufhörlich in den Golf von Mexiko strömen, aufzufangen oder zu stoppen, schlagen Wissenschaftler Alarm. Immer häufiger werden Delfine und Haie in sehr flachen Gewässern vor der Küste Floridas beobachtet und an einem Pier in Alabama sammelten sich Millionen Krabben, Meeräschen, Rochen und andere Fischarten. Für die Wissenschaftler ist dies ein alarmierendes Zeichen, das darauf hindeutet, dass der Lebensraum der Tiere noch schwerer verseucht ist als bislang angenommen und sie ihn deshalb zu Tausenden verlassen haben.
Experten vermuten, dass die großen Ölmengen dem Wasser seinen Sauerstoffgehalt entziehen und die Fischer nicht mehr gut atmen können, so dass sie in seichtere Gewässer fliehen. Doch dort droht ihnen ein qualvoller Tod, denn durch die plötzliche Überbevölkerung kann auch hier der Sauerstoffgehalt des Wassers schnell sinken. Sollte noch mehr Öl in Richtung der Küsten treiben, wird auch dieser Lebensraum immer enger und die Tiere sitzen in einer Falle, wo sie massenweise sterben.
Neusten Schätzungen zufolge fließen aktuell täglich bis zu 8200 Tonnen Öl in das Meer. Auslöser der Umweltkatastrophe, die schon jetzt als die größte in der Geschichte der USA gilt, war die Explosion der Ölplattform “Deepwater Horizon” am 20. April 2010. Auffallend für die Wissenschaftler ist, dass trotz dieser immensen Ölmengen, vergleichsweise wenige tote Tiere aufgefunden wurden. Medienberichten zufolge wurden bislang 783 tote Vögel, 353 Schildkröten und 41 Meeressäuger tot geborgen. Zum Vergleich: Bei der Ölkatastrophe 1989 in Folge des havarierten Öltankers Exxon Valdez starben 250.000 Vögel. Das kann mehrere Gründe haben: Zum einen werden vermutlich viele tote Tiere nicht gefunden, weil sie direkt auf den Grund des Meeres sinken und zum anderen ziehen sich viele Seevögel offenbar ins Innere des Marschlandes zurück. Greenpeace-Meeresbiologe John Hocevar ist sich sicher, dass das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe erst allmählich sichtbar wird. (mh)