Die Windenergiebranche befürchtet, dass sich die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke negativ auf den Ausbau der Windenergie auswirken wird.
Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie, kritisiert die von der Bundesregierung beschlossene Laufzeit- verlängerung von Atomkraftwerken und wirft ihr vor, dass durch das Energiekonzept die großen Stromanbieter doppelt profitieren würden: zum einen durch die Laufzeitverlängerung und zum anderen durch die Förderung von Windkraftwerken im Offshore- Bereich, die größtenteils von genau diesen Energiekonzernen betrieben werden. Obwohl die Windkraftanlagen an Land deutlich billiger seien als vergleichbare Offshore-Anlagen, müssten erstere (meist betrieben von mittelständischen Unternehmen) einen Wettbewerbsnachteil befürchten.
Kritik übt Albers auch an den Prognosen der Bundesregierung, nach denen alle deutschen Windkraftanlagen an Land bis zum Jahr 2050 eine Leistung von 36,4 Gigawatt Strom erzielen. Die Branche selbst geht dagegen schon für das Jahr 2020 von einer Gesamtleistung von 45 Gigawatt aus. Auch der Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, Dietmar Schütz, sieht den Vorrang erneuerbarer Energien bei der Stromnetzeinspeisung durch die Laufzeiten bedroht. Da Atomkraftwerke bei einem möglichen Stromüberschuss nicht einfach abgeschaltet werden können, hätte der Ökostrom das Nachsehen, so seine Sorge.
Die Windenergie-Agentur Bremerhaven-Bremen (WAB), ein Zusammenschluss von rund 180 Unternehmen, befürchtet durch die Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke ebenfalls eine Bremswirkung für den Bau von Offshore-Windparks. WAB- Geschäftsführer Ronny Meyer warnt davor, dass durch die Laufzeitverlängerung mögliche Investoren für die Offshore-Windenergie abgeschreckt werden könnten, so dass sich der Ausbau der erneuerbaren Energien verzögert. Auf die laufende Produktion der regionalen Hersteller von Windenergie-Anlagen wird sich der Beschluss der Bundesregierung allerdings seiner Einschätzung nach nicht auswirken. (mh)