EU erlaubt Cadmium in Solarzellen
Der Aufruf von 13 Wissenschaftlern zum Verbot von Cadmium in Solarzellen blieb offenbar erfolglos: Mit großer Mehrheit von 640 Stimmen gegenüber nur drei Gegenstimmen und 12 Enthaltungen hat das EU-Parlament in Straßburg die neue EU-Richtlinie beschlossen, nach der der Anteil “gefährlicher Substanzen” wie z.B. Quecksilber, Blei, Cadmium und Chrom in Elektrogeräten reduziert werden soll. Für den Einsatz von Cadmium in Solarzellen soll diese Richtlinie jedoch nicht gelten, was bei vielen auf Unverständnis stößt. So kritisiert der Europa-Abgeordnete Holger Krahner (FDP), dass bei dieser Ausnahmeregelung offenbar eine Lobby ihre Interessen durchgesetzt habe, schließlich werden auch Solarzellen entsorgt und die Umwelt wird durch das in ihnen enthaltene Cadmium ebenfalls belastet. Der Richtlinie muss noch im Dezember von dem EU-Ministerrat zugestimmt werden, was jedoch als reine Formalie gilt.
Nach Ansicht der US-Umweltbehörde EPA und der Internationalen Agentur zur Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation ist das Schwermetall krebserregend. Es wird vor allem von dem US-Hersteller First Solar eingesetzt, der seine Dünnschichtmodule auf der Basis des Halbleiters Cadmiumtellurid produziert. Dieses ist preisgünstiger als die Alternative Silizium und wird in rund 15% aller Solarzellen mit etwa 100 Gramm pro installiertem Kilowatt eingesetzt.
Andere Unternehmen (z.B. Solarworld), die auf Cadmium verzichten und stattdessen Silizium verwenden, plädieren schon lange für ein Verbot von cadmiumhaltigen Solarzellen. Auch Bernd Bilitewski, Chef des Instituts für Abfallwirtschaft und Altlasten an der Technischen Universität Dresden, hält den Einsatz von Cadmium in Solarzellen für entbehrlich, allerdings bestätigt er gegenüber der WAZ-Gruppe, dass Ersatzstoffe oft teurer seien. Im laufenden Betrieb sei Cadmium ungefährlich, aber das Problem beginnt mit der Entsorgung. Cadmium muss nämlich im Sondermüll entsorgt werden und zwar möglichst in konzentrierter Form, was nur durch aufwändige Verfahren möglich ist. Ansonsten kann der Stoff, insbesondere Gewässer vergiften und sich in Pflanzen anlagern. (mh)




