Dioxin-Skandal: Verseuchte Futtermittel schon im März entdeckt
Inzwischen sind schon 12 Bundesländer von dem Dioxin-Skandal betroffen und bundesweit über 4000 Agrarbetriebe geschlossen. Berichten zufolge soll die hierfür verantwortliche Futterfirma schon seit März 2010 von der Verunreinigung wissen und das verseuchte Futtermittel trotzdem weiter ausgeliefert haben.
Wie die “Hannoversche Allgemeine Zeitung” berichtet, soll ein privates Labor im März in einer Probe des Futtermittel- herstellers Harles und Jentzsch einen doppelt so hohen Dioxin-Wert gemessen haben wie erlaubt ist. Ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Agrarministeriums bestätigte dies und erklärte, dass dieses Testergebnis sofort den Behörden hätte gemeldet werden müssen, was jedoch nicht geschehen ist. Erst am 29. Dezember wurde die Probe von der Futtermittelüberwachung in Uetersen beschlagnahmt und der Staatsanwaltschaft übergeben. Weitere Auffälligkeiten, die im Laufe des Jahres entdeckt worden sind, wurden ebenfalls nicht gemeldet. Bei Proben des verseuchten Futterfetts wurde teilweise das 14-fache des erlaubten Grenzwertes gemessen.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen den Gesellschafter und Geschäftsführer von Harles und Jentzsch. Dieser gab bei einer Befragung an, dass die mit Dioxin verunreinigten technischen Fettsäuren aus Versehen ins Tierfutter gelangt sind, doch dieser Darstellung glaubt das niedersächsische Agrarministerium nicht mehr. Der Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft spricht von “kriminellen Machenschaften” in der Futtermittelindustrie.
Für die Bauern ist dies eine Katastrophe. Laut Bauernpräsident Gerd Sonnleitner verursacht der Dioxin-Skandal einen Schaden von 40-60 Millionen Euro. Die Landwirte wollen an den Futtermittellieferanten Schadensersatzansprüche stellen. Sonnleitner forderte die Einrichtung eines Schadensfonds in der Futtermittelindustrie, der pro Jahr mindestens eine dreistellige Millionensumme umfassen soll. (mh)




