USA erlaubt wieder Ölbohrungen im Golf von Mexiko

Neun Monate nach der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ und der damit verbundenen verheerenden Ölkatastrophe hat die US-Regierung den im April 2010 verhängten Bohrstopp für die Tiefsee wieder aufgehoben. Damit erlaubte Washington - nur knapp sechs Monate nachdem das Ölleck gestopft werden konnte - mehreren Unternehmen im Golf von Mexiko unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen weiter nach Öl zu bohren. Allerdings sei wichtig, dass sich die Konzerne an die im April eingeführten Sicherheitsregeln halten.
Nach Mitteilung des US-Innenministeriums wolle man für 13 Unternehmen, deren Bohrprojekte im Vorjahr wegen der Ölkatastrophe gestoppt wurden, den Weg frei machen, damit sie ihre Arbeiten fortsetzen können und verzichte deshalb darauf, die laufenden Projekte erneut einer komplett neuen Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen.
Für die Ölmultis, die sich wiederholt über eine schleppende Bearbeitung und ein „Moratorium durch die Hintertür“ beklagt hatten, ist dies ein voller Erfolg. Die Konzerne, zu denen unter anderem Chevron und Shell gehören, wiesen die Regierung darauf hin, dass sie jeder Tag, an dem ihre Bohrinseln nicht arbeiten, mehrere hunderttausend Dollar koste. Zudem hatten sie nach Informationen des „Wall Street Journal“ davor gewarnt, dass ein komplett neues Genehmigungsverfahren de facto einem Bohrverbot gleichkomme. BP drohte der US-Regierung, mit der Verlegung einer brandneuen Bohrinsel aus dem Golf von Mexiko nach Libyen. Letztendlich haben wohl die Prognosen des Energieministeriums, die aufgrund der verschärften Umweltauflagen einen 19-prozentigen Rückgang der Ölförderung vor den US-Küsten erwarten, die Obama- Regierung aufgeschreckt. Für die Umweltschützer, die einen Stopp der Arbeiten gefordert hatten, war Aufhebung des Ölbohrverbots hingegen ein herber Rückschlag.
Allerdings bleibt die Obama-Regierung trotz des massiven Drucks der Ölkonzerne bei ihrer kürzlich getroffenen Entscheidung, bis 2017 keine neuen Meeresgebiete im östlichen Golf und entlang der südlichen US- Atlantikküste für die Ölförderung freizugeben. Zudem soll es strengere Auflagen für die Arktis geben. Die neuen Auflagen, zu denen gehört, dass konzernunabhängige Ingenieure die Funktionsfähigkeit zentraler Sicherheitsventile bestätigen müssen, die Ölgesellschaften alle Arbeiten auf den Bohrinseln dokumentieren und detaillierte Reaktionspläne für den Fall einer Ölpest vorlegen müssen, hält die Obama-Regierung für notwendig, um folgenschwere Bohrunfälle zu verhindern.
Bei der größten Umweltkatastrophe der US-Geschichte flossen 87 Tage lang ungehindert ca. 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer, bevor im Juli die sich in 1600 Metern Wassertiefe befindende Macondo-Quelle endgültig versiegelt werden konnte. Da durch die Ölkatastrophe rund 1500 Kilometer Strand, das Marschland im Mississippi-Delta, Fischgründe sowie Schutzgebiete verseucht wurden, hat die US-Regierung den Betreiber der gesunkenen „Deepwater Horizon“ sowie vier weitere Firmen verklagt. Ihnen werden Verstöße gegen US-Umweltgesetze vorgeworfen. (sk)




