Öko-Test: Wirkungslose Halsschmerzmittel
Wenn bei den Kleinen eine Erkältung im Anmarsch ist und es im Hals kratzt und beim Schlucken und Sprechen schmerzt, wird schnell zu Lutschtabletten aus der Apotheke oder Drogerie gegriffen. Doch ob diese oft teuren Präparate tatsächlich besser wirken als viele Hausmittel, hat die Zeitschrift „Öko-Test“ jetzt unter die Lupe genommen. Insgesamt wurden von „Öko- Test“ acht Halsschmerzmittel, zu denen neben Lutschtabletten, Halssprays auch Gurgellösungen und Pastillen gehören zur Begutachtung an ihren wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz von der Uni Frankfurt gegeben. Dieser kam zu dem Ergebnis, dass alle untersuchten Mittel mit „mangelhaft“ oder ungenügend“ abschnitten.
Keines der getesteten Präparate bringe den Kindern Linderung. Egal ob entzündungshemmend, keimtötend oder lokal betäubend, die Schmerzen verschwinden nicht schneller, da die tieferen Rachenregionen wie der Kehlkopf weder durch Lutschen noch durch Gurgeln oder durch Sprays erreicht werde. Zudem weist die Redaktion von „Öko-Test“ darauf hin, dass es in einer aktuellen Leitlinie Halsschmerzen der DEGAM heißt, dass „die Anwendung von Lutschtabletten, Gurgellösungen und Rachensprays mit Lokalantiseptika und/oder von Lokalanästhetika oder Antibiotika nicht empfohlen werde“. Ebenso wenig Sinn mache die Anwendung von Lokal- antiseptika, zu denen die Wirkstoffe Dequaliniumchlorid, Cetylpyridium- chlorid, Hexamidin-diisethionat, Benzalkoniumchlorid und Cetrimonium- bromid gehören, da diese nur oberflächlich wirken können, während sich die wesentliche Infektion in der Tiefe des Gewebes abspiele.
Auch Präparate mit dem antibiotischen Wirkstoff Tyrothricin, der Bakterien an ihrer Vermehrung hindern oder abtöten soll, helfen wenig, da bei 50 bis 80 Prozent aller Rachenentzündungen Viren und nicht Bakterien verantwortlich sind. Präparate mit diesem Wirkstoff erhielten von den Testern zwei Noten Abzug, da hierzu kontrollierte Studien fehlen.
Außerdem bemängelten die Tester die Beipackzettel einiger Halstabletten, da hier die Anwendungsdauer nicht eindeutig definiert angegeben wurde, sondern lediglich der Vermerk „nicht längerfristig“ einzunehmen angegeben war und dass, obwohl die Mittel höchstens drei bis fünf Tage eingenommen werden dürfen. Fazit der Tester: Oftmals können alte Hausmittel wie viel Trinken, mit Salzwasser oder Salbeitee gurgeln, Kräuterbonbons lutschen oder das Anlegen von Halswickel in vielen Fällen Erleichterung schaffen, auch wenn der Nutzen dieser Maßnahmen nicht wissenschaftlich belegt ist.




