NABU: 50% aller Eichen sind krank
Im „Internationalen Jahr der Wälder“, das von den Vereinten Nationen für 2011 ausgerufen wurde, fasste NABU-Präsident Olaf Tschimpke nun die Ergebnisse des vom Bundeslandwirtschaftsministerium vorgelegten Waldschadensberichts 2010 zusammen. Dem Bericht zufolge sei zwar jede zweite Eiche schwer erkrankt, aber insgesamt habe sich der Zustand des deutschen Waldes im vergangenen Jahr leicht gebessert. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hingegen sieht den Zustand des Waldes anders, für ihn „kränkelt der Wald weiter vor sich hin“. Neben den Folgen des Klimawandels macht er vor allem die Überdüngung als Folge der intensiven Landwirtschaft sowie den Verkehr „für das Siechtum des Waldes“ verantwortlich. „Mehr als die Hälfte aller Waldbäume weisen Schäden auf, besonders schlecht geht es der Eiche.“
Zudem ist der Naturschutzbund der Ansicht, dass der Wald weiter unter Stress steht. „Der Wald steht unter Stress, sein Gesundheitszustand hat sich seit Jahren auf einem kritischen Niveau eingependelt“, sagte NABU- Waldexperte Johannes Enssle. Die Stickstoffeinträge gelangten aus dem Gülleaufkommen der Massentierhaltung über die Luft in den Wald und wirkten dort wie eine Überdosis an Nährstoffen. „Dem Wald wird praktisch eine falsche Ernährung verpasst. Während Stamm und Krone an Masse zulegen, stagniert das Wachstum der Wurzel, der Boden versauert, wichtige Nährstoffe im Boden gehen verloren“, so Enssle.
Der NABU kritisierte die Politik, dass ihr das Problem seit 25 Jahren bekannt sei und dennoch nichts Effektives gegen die Überdüngung unserer Landschaft unternommen werde. Das Aufbringen von tonnenweise Kalk auf die Waldböden, um der Versauerung der Waldböden entgegenzuwirken, bereite hingegen weitere Probleme für die Umwelt. Neben einer erhöhten Belastung des Grundwassers mit Nitrat sieht der NABU zudem eine direkte Schädigung der Bodentiere sowie eine langfristige Beeinträchtigung der Pflanzenwelt in dieser Maßnahme. „Wenn die Bundesregierung im Internationalen Jahr der Wälder den Waldschutz ernst nimmt, muss sie sich entschiedener gegen den weiteren Ausbau von Tierfabriken und die flächendeckende Überdüngung unserer Landschaft einsetzen“, forderte Tschimpke.
Offiziell wurde das „Internationale Jahr der Wälder“ am Mittwoch in New York vom UN-Waldforum eröffnet. In Deutschland folgt der Auftakt am 21. März. „Wir wollen im Internationalen Jahr der Wälder zeigen, dass die Artenvielfalt, unser Wohlstand, unsere Geschichte und Kultur ohne den Wald nicht möglich wäre“, sagte Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) am Dienstag bei der Vorstellung des Waldschadensberichts. (sk)




