Atomstrom: Greenpeace vs. Deutsche Bahn
Am Donnerstag haben 30 Greenpeace- Aktivisten am Hauptbahnhof in Berlin dafür demonstriert, dass die Deutsche Bahn AG keinen Atomstrom mehr nutzt. Mit zwei je 100 m² großen Bannern forderten sie Bahnchef Grube zu einem Kurswechsel bei der Stromversorgung des Unternehmens auf. Die Umweltorganisation fordert, dass die Bahn schnellstmöglich keinen Strom mehr aus Atom- und Kohlekraftwerken nutzt und bis zum Jahr 2030 vollständig auf eine Stromversorgung aus erneuerbaren Energien umstellt.
Greenpeace ist der Überzeugung, dass die Bahn durch die Nutzung von Atomenergie keineswegs ein umweltfreundliches Verkehrsmittel ist, sondern nur durch den ausschließlichen Einsatz von erneuerbaren Energien ihrem Umweltschutzversprechen nachkommen kann. Bei der Stromversorgung der Deutschen Bahn AG entfällt aktuell rund ein Viertel auf Atomstrom und 45% auf Kohlekraftwerke. Die erneuerbaren Energien haben aktuell nur einen Anteil von 18,5 Prozent an der Stromversorgung.
Wie eine im Auftrag von Greenpeace von TNS Emnid durchgeführte Umfrage zeigte, wissen 71 Prozent der Deutschen gar nicht, dass die Züge der Deutschen Bahn mit Atomstrom betrieben werden. Dieser Atomstrom wird von dem Atomkraftwerk Block 1 in Neckarwestheim geliefert, das zu den ältesten Atomkraftwerken in Deutschland gehört und von Greenpeace als sehr gefährlich eingestuft wird. Bei der Umfrage sprachen sich 75 Prozent der Befragten dafür aus, dass die Bahn ihre Stromversorgung bis 2030 komplett auf Erneuerbare umstellen soll.
Die Bahn weist die Kritik der Umweltorganisation zurück und sieht sich selbst als falscher Adressat der Forderungen. Das Unternehmen gehe mit gutem Beispiel voran, heißt es in einer Pressemitteilung der Bahn, denn der Anteil von 18,5% an erneuerbaren Energien sei wesentlich höher als im öffentlichen Netz und vor allem höher als bei anderen Verkehrsmitteln. So würden auf der Straße gerade einmal 5-6% erneuerbare Energien zum Einsatz kommen und bei der Schifffahrt und im Flugverkehr 0%. Außerdem verweist die Bahn auf ihr eigenes Klimaprogramm, laut dem der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 auf mindestens 30% gesteigert werden soll. (mh)




