Mehrheit der Deutschen lehnt E10 ab
Laut dem neuen “ARD-Deutschlandtrend” wollen nur 10% den vieldiskutierten Biosprit E10 tanken. Während 61% sich dafür aussprechen, die Einführung des neuen Kraftstoffs zu stoppen, sind nur 32% für die Einführung. Rund zwei Drittel halten es für unverantwortlich, dass für den Anbau der Pflanzen, aus denen der Biosprit hergestellt wird, Land genutzt wird, dass sonst für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt wird. Sie befürchten, dass dadurch weltweit Nahrungsmittel knapper und somit auch teurer werden. 25% halten dies angesichts der reduzierten CO2-Emissionen durch E10 vertretbar, weil ihrer Meinung nach so das Klima geschützt wird. Experten bezweifeln allerdings, ob E10 wirklich eine positive Klimabilanz aufweist.
Die Verbraucher sind verunsichert und lassen den neuen Biosprit vorerst links liegen, 59% wollen laut “Deutschlandtrend” auch weiterhin bei Super oder Super Plus bleiben. Schuld an der Verunsicherung ist nicht zuletzt die schlechte Informationspolitik, die mit der Einführung von E10 einhergegangen ist. Die Beteiligten schieben sich hierfür gegenseitig die Schuld zu, 51% sehen die Bundesregierung in der Verantwortung und 29% sind der Meinung, dass hierfür vor allem die Mineralölkonzerne verantwortlich sind. Für 9% sind die Autohersteller diejenigen, die unzureichend informiert haben. Für den Deutschlandtrend wurden am Dienstag und Mittwoch 620 Bundesbürger telefonisch befragt. Die Umfrage führte Infratest dimap durch.
Ähnliche Ergebnisse brachte auch eine N24-Emnid-Umfrage unter rund 1000 Personen: 59% glauben, dass E10 den Motoren schaden kann. Den Beteuerungen der Öl-Industrie und der Autobranche, dass der Biosprit für die angegebenen Automodelle ungefährlich ist, glauben nur 27%. Für das Chaos bei der E10-Einführung machen in dieser Umfrage 37% Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) verantwortlich, 29% geben den Mineralölkonzernen und 13% der Autoindustrie die Schuld. Jeder zehnte ist der Meinung, dass bei der Informationspolitik alle Beteiligten (Politik, Mineralölwirtschaft und Autobauer) gleichermaßen versagt haben.
Die Grünen haben im Rahmen der E10-Debatte erneut auf alternative Umweltschutzmaßnahmen hingewiesen und das Thema Tempolimit wieder aufgegriffen. Mit 58% ist inzwischen der Umfrage zufolge auch die Mehrheit der Deutschen dazu bereit auf Autobahnen ein Tempolimit von 120 km/h zu akzeptieren, 40% sind jedoch nach wie vor dagegen. (mh)




