Italien legt AKW-Pläne auf Eis, USA stoppt Reaktorbau

Angesichts der Atom-Katastrophe in Japan hat Italien seine Pläne für einen Wiedereinstieg in die Kernenergie vorerst wieder auf Eis gelegt. Wie der italienische Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Paolo Romani, diese Woche bekanntgab, soll es ein einjähriges Moratorium geben. Italien gilt als anfällig für Erdbeben und hatte 1987 als Reaktion auf die Atom- katastrophe in Tschernobyl im Jahr 1986 Atomkraftwerke verboten. Als einziges Land der führenden Industrienationen (G8) hat Italien keine eigene Atomanlagen und musste deshalb seit seinem Atomausstieg teuren Strom importieren. Aus diesem Grund plante die aktuelle Regierung, in den nächsten Jahren insgesamt vier Reaktoren zu bauen um den Energiebedarf des Landes zu rund einem Viertel durch die eigenen Atomkraftwerke zu decken.
Diese Pläne stießen auch schon vor dem verheerenden Atom-Unfall im japanischen Fukushima auf heftigen Widerstand, im Juni sollte endgültig darüber abgestimmt werden. Die italienische Bevölkerung ist laut einer aktuellen Umfrage gegen den Wiedereinstieg: Drei von vier Italienern lehnen den Neubau von Atomkraftwerken ab.
Auch in den USA werden Konsequenzen aus der Situation in Japan gezogen: Der Bau von zwei neuen Reaktoren wurde bis auf weiteres gestoppt. Die betreibergesellschaft Nuclear Innovation North America teilte mit, dass die Arbeiten an den beiden neuen Blöcken eines AKWs im Süden von Texas vorerst ruhen, da derzeit nicht klar so, ob es wegen des Unglücks in Japan härtere Auflagen und bauliche Änderungen geben wird. Bis die Bauarbeiten fortgesetzt werden, will sich der Betreiber des AKW nun auf die Sicherstellung der Finanzierung und alle erforderlichen Genehmigungen konzentrieren. Brisant: Bei diesem Projekt war das japanische Unternehmen Tepco als Berater und Investor tätig, der Betreiber des japanischen Kraftwerks Fukushima 1.
Die amerikanische Bevölkerung wird gegenüber der Atomenergie immer skeptischer. Laut einer aktuellen Umfrage sind 53% der Amerikaner dafür, ein Moratorium für neue AKW zu erlassen, wenn alternative Energiequellen den Strombedarf ebenso gut decken können.




