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Höhere Grenzwerte für radioaktiv belastete Lebensmittel in der EU

Höhere Grenzwerte für radioaktiv belastete Lebensmittel in der EU
Per Eilverordnung hat die EU die Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln aus Japan angehoben. (Foto: © Brandtmarke / Pixelio)

Die Lage im japanischen Unglücks-AKW Fukushima ist auch mehr als zwei Wochen nach dem Erdbeben und Tsunami noch äußerst kritisch. Hierzulande machen sich die Menschen vor allem Sorgen darüber, dass radioaktiv belastete Lebensmittel aus Japan in den deutschen Handel kommen könnten. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) betont zwar, dass seit der Atom-Katastrophe “verstärkte Kontrollmaßnahmen” und “spezielle Schutzstandards” für Lebensmittel aus Japan greifen – verschweigt gleichzeitig allerdings, dass für aus den betroffenen Gebieten in die EU importierte Lebensmittel neuerdings ungewöhnlich hohe Grenzwerte gelten. Die Verbraucher wurden über diesen Schritt bislang noch nicht informiert.

So gelten für bestimmte Produkte seit dem vergangenen Wochenende etwa 20 Mal höhere Grenzwerte als in der EU-Verordnung 733/2008 festgelegt. Dort gelten für Lebensmittel und Lebensmittelimporte bei Cäsium 134 und 137 üblicherweise Grenzwerte von 370 Becquerel pro Kilogramm für Säuglingsnahrung und Milchprodukte sowie von 600 Becquerel pro Kilogramm für andere Nahrungsmittel. Durch die Eilver- ordnung 297/2011 hat die Europäische Kommission die Grenzwerte am 27. März 2011 deutlich erhöht. So darf Säuglingsnahrung ab sofort mit maximal 400 Becquerel pro Kilogramm belastet sein, für Milchprodukte gelten 1000 Becquerel pro Kilogramm als neuer Höchstwert und andere Nahrungsmittel dürfen maximal 1250 Becquerel pro Kilogramm aufweisen. Einige Produkte wie Gewürze und Fischöl dürfen diesen Wert sogar um das Zehnfache (bis 12.500 Becquerel pro Kilogramm) überschreiten.

Hintergrund für die Anhebung der Grenzwerte ist die nach der Tschernobyl-Katastrophe erlassene EU-Verordnung 3954/1987. Um einer Nahrungsmittelknappheit vorzubeugen, können durch die Verordnung die Grenzwerte für die Belastung von Lebensmitteln bei einem “nuklearen Notstand” angehoben werden. Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisiert den Schritt: “Diese Regelung jetzt in Kraft zu setzen, ist absurd, denn es gibt in Europa keinen nuklearen Notstand und erst recht keine Nahrungsmittelknappheit. Importe aus Japan spielen für die Versor- gungssicherheit der europäischen Bürger überhaupt keine Rolle.” Das Verbraucherministerium versucht zu beschwichtigen. So habe es bislang keine Obergrenze für die Einfuhr von Lebensmitteln aus Japan gegeben. foodwatch fordert nun ein Importverbot für japanische Lebensmittel.

Ein Grund zur Sorge über radioaktiv belastete Lebensmittel besteht aber noch nicht. Nach Deutschland werden nur wenige Lebensmittel aus Japan importiert. Der Anteil der importierten Waren beträgt durchschnittlich 0,1%. Hierbei handelt es sich vor allem um Spezialitäten wie Fisch, Algen und grüner Tee. Ministeriumsangaben zufolge ist der Handel mit Japan seit dem Erdbeben fast vollständig zum Erliegen gekommen. (ok)