RWE-Chef: Atom-Moratorium als Strompreistreiber
Nach Auffassung des Energiekonzerns RWE könnte das Atomkraft-Moratorium zur Folge haben, dass die Strompreise für Privatkunden um bis zu 5 Prozent steigen. RWE-Vorstand Leonhard Birnbaum warnte im Gespräch mit der “Rheinischen Post”, dass die rein rechnerische Erhöhung der Preis von bis zu 5 Prozent die Kunden betreffen kann, die von Versorgern Strom beziehen, die wegen des Moratoriums nun teureren Strom einkaufen müssen. Nachdem von der Bundesregierung die Aussetzung der Laufzeitverlängerung für die deutschen Atommeiler angekündigt wurde, stiegen die Großhandelspreise für Strom um 15%.
Birnbaum äußerte sich auch noch einmal zur Klage, die der Konzern in dieser Woche gegen die Abschaltung seines Atomkraftwerks Biblis eingereicht hatte, und erklärte, dass die Abschaltung von Biblis für den Energieriesen einen “substanziellen Schaden” bedeute. RWE sei schon aktienrechtlich zu einer Klage gehalten, da die rechtliche Basis, auf der die Abschaltungs-Verfügung vorgenommen wurde, brüchig sei.
Die Abschaltung von acht Kernkraftwerken würde außerdem eine übermäßige Belastung der Netze bedeuten, deshalb könnten noch in diesem Jahr Engpässe bei der Stromversorgung auftreten, so Birnbaum. Eine kritische Zeit könnte vor allem der Herbst werden, wenn die Solar- Anlagen aufgrund weniger Sonnenstunden weniger Leistung erzielen und auf die Windkraft zurückgegriffen werden muss. Diese müsste dann in großen Mengen nach Süddeutschland transportiert werden, was nach Meinung von Birnbaum ein großes Problem darstellen kann.
Der RWE-Chef ist auch nach der verheerenden Atom-Katastrophe im japanischen Fukushima von der Sicherheit der deutschen Atommeiler überzeugt, begrüßt aber die Sicherheitsüberprüfungen, die in den nächsten Wochen vorgenommen werden sollen. Allerdings weist Birnbaum auch auf die Bedeutung der europaweiten Einhaltung der Sicherheitsstandards hin und dass das von der Bundesregierung bestimmte Moratorium ergebnisoffen sein muss. (mh)




