Studie: Zerstörung der Mangroven-Wälder setzt viel CO2 frei
Laut einer Studie des Forscherteams um Daniel C. Donato vom US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA) auf Hawaii, die in Anfang der Woche in der Fachzeitschrift “Nature Geoscience” publiziert wurde, ging der Bestand der Mangrovenwälder an den tropischen Küsten in den letzten 50 Jahren - nicht zuletzt wegen des intensiven Ausbaus von Garnelen-Farmen - um 30 bis 50 Prozent zurück. Inzwischen ist fast die Hälfte der weltweit etwa 15 Millionen Hektar Mangrovenwälder, zerstört. Hierdurch verlieren nicht nur viele Tierarten ihren Lebensraum und Flutwellen können durch den Verlust der Wälder ungehindert in das Landesinnere vordringen. Aber auch für das Weltklima hat diese Entwicklung erhebliche Folgen.
Mangroven, die sich dem Leben im Gezeitenbereich der Meeresküsten angepasst haben, gehören nämlich zu den größten Kohlenstoffspeichern in den Tropen. Zwar machen Mangroven nur 0,7 Prozent der tropischen Wälder aus, jedoch verursacht ihre Zerstörung 10 Prozent der globalen CO2-Emissionen, die durch Entwaldung entstehen, so die Forscher.
Grund hierfür ist, dass sich der Kohlenstoff nicht nur in den Bäumen, sondern zum größten Teil im überschwemmten Boden in bis zu drei Meter Tiefe sammelt. Mangroven wandeln Kohlendioxid über die Photosynthese in organisches Material um, das sich zum Teil als Humus im Boden ablagert. Das internationale Forscherteam, das 25 Mangrovenwälder im indo-pazifischen Raum auf ihren Kohlenstoffgehalt genauer untersucht hat, fand heraus, dass bis zu 98 Prozent der Speicherkapazität auf das organische Material in Bodenschichten von einem halben bis drei Metern Tiefe entfallen. Im Hinblick auf die Zerstörung der Mangroven bedeutet das, dass nun jährlich 20 bis 120 Millionen Tonnen Kohlenstoff nicht mehr aufgenommen und im Boden gespeichert würden.
Deshalb fordern die Forscher, dass Mangrovenwälder in Zukunft stärker bei der Berechnung von Klimamodellen und der Entwicklung von Klima- schutzmaßnahmen berücksichtigt werden. „Unsere Daten zeigen, dass die Bedeutung tropischer Überschwemmungswälder für den Klimawandel signifikant zunehmen könnte“, schreiben Donato und seine Kollegen. Deshalb müssten Mangrovenwälder wirksamer geschützt werden als heute. Zudem liefern die aktuellen Daten wichtige Fakten für das globale Waldschutzabkommen REDD+ (Reduced Emissions from Deforestation and Degradation), auf das sich die Staatengemeinschaft der Vereinten Nationen auf dem Klimagipfel 2010 in Cancún geeinigt hatte. (sk)




