BEE-Chef: Keine Stromausfälle durch Abschaltung der AKW

Im Rahmen des dreimonatigen Moratoriums, das die Bundesregierung nach dem AKW-Unfall im japanischen Fukushima verhängt hat, sind insgesamt acht der 17 Atommeiler in Deutschland vom Netz. Zufällig läuft in diesem Zeitraum auch noch eine planmäßige Revision der Anlage im bayerischen Grafenrheinfeld, wodurch auch diese für einige Wochen keinen Strom liefern kann. Die Energieriesen haben diese Situation bereits zum Anlass genommen, die Angst vor Stromausfällen in Deutschland zu schüren. Doch bereits mehrere Experten, u.a. auch der Chef der Bundesnetzagentur, haben bestätigt, dass es in der aktuellen Konstellation selbst in Spitzenzeiten auf keinen Fall zu den befürchteten Stromausfällen kommen wird.
Dieser Meinung schließt sich auch Björn Klusmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) an. Im Gespräch mit dem “Hamburger Abendblatt” sagte Klusmann, dass es mittelfristig genügend Alternativen zur Kernenergie gebe. “Stromausfälle müssen wir nach dem Ende der Atomkraft auf keinen Fall fürchten”, versichert der BEE-Chef. Er gibt allerdings der Bundesregierung Recht, dass Wind- und Solarenergie alleine die Atomkraft nicht ablösen können. Jedoch seien die alternativen Energien im Verbund in der Lage, den Atomausstieg bis zum Jahr 2020 zu bewältigen und 50 Prozent des deutschen Stromverbrauchs zu decken.
Auch Christian Friege, Chef des Hamburger Ökostromanbieters LichtBlick, sieht dies ähnlich. Seiner Meinung nach könne man schon heute auf die abgeschalteten Atomkraftwerke verzichten. Den vollständigen Ausstieg aus der Atomkraft könne Deutschland innerhalb eines Jahrzehnts bewältigen. “Der letzte Meiler kann dann in fünf bis zehn Jahren vom Netz”, so Friege. Potenzial sieht er vor allem in der Windenergie. Die Politik müsse jedoch darüber hinaus die Markteinführung intelligenter Energien fördern.
In einer Umfrage des Kölner Meinungsforschungsinstituts YouGoV, die im Auftrag der dpa durchgeführt wurde, gaben 70 Prozent der Befragten an, nur dann für einen beschleunigten Atomausstieg zu sein, wenn dadurch keine Atomstrom-Importe aus dem Ausland nötig werden. Nur 18 Prozent der Befragten würden auch im Falle einer längeren Abhängigkeit von Atom-Importen für einen Ausstieg stimmen. Im Mai will die Koalition über die Zukunft der abgeschalteten Atommeiler entscheiden. (ok)






