Greenpeace: Vollständiger Atomausstieg ist schon bis 2015 möglich
Nicht bis 2020, sondern schon bis zum Jahr 2015 könnte Deutschland frei von Atomstrom sein und seinen Strombedarf zum größten Teil aus regenerativen Energiequellen decken. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Umweltorganisation Greenpeace. Die Studie wurde laut Greenpeace auf Basis aktueller Kraftwerksplanungen erstellt. Die deutsche Stromversorgung wäre den Berechnungen zufolge sichergestellt, Stromausfälle wären nicht zu befürchten und auch der Neubau von umweltschädlichen Kohlekraftwerken wäre zur Deckung des Strombedarfs nicht mehr nötig. Im Gegenteil: Die ältesten deutschen Kohlekraftwerke könnten nach und nach vom Netz gehen.
Strom aus Erdgaskraftwerken und Offshore-Windparks
Laut Greenpeace könnten die sieben durch das Moratorium stillgelegten Atomkraftwerke und der Pannenmeiler Krümmel dauerhaft abgeschaltet bleiben. Auch das mitten in einem Erdbebengebiet liegende Kraftwerk Neckarwestheim 2 könnte noch in diesem Jahr vom Netz gehen. In den Jahren 2012 bis 2015 können den Berechnungen zufolge jährlich zwei weitere Atommeiler abgeschaltet werden. Dies sei möglich, weil im bestehenden Kraftwerkspark Überkapazitäten bestehen und sich außerdem 51 neue Kraftwerke im Bau befinden, darunter etwa 20 Erdgaskraftwerke und 10 Offshore-Windparks.
Die Greenpeace-Experten haben berechnet, dass für die 17 deutschen Kernkraftwerke Kraftwerkskapazitäten von 21.000 Megawatt ersetzt werden müssen. In seinen Berechnungen legt Greenpeace dar, dass die deutsche Stromversorgung auch ohne zusätzliche Stromimporte zu jeder Zeit gewährleistet werden kann. Selbst in Spitzenzeiten, in denen aufgrund von Windstille und mangelnder Sonneneinstrahlung gerade kaum Strom aus Wind- und Sonnenenergie zur Verfügung steht, würde es nicht zu Blackouts kommen, vor denen die Energieversorger warnen.
Kohlekraftwerke nach und nach vom Netz nehmen
Der Atomstrom würde überwiegend durch die schon im Bau befindlichen Gaskraftwerke, Wind- und Solarenergie-Anlagen ersetzt. In diesem und im nächsten Jahr gehen außerdem vier neue Kohlekraftwerke ans Netz. Nach Meinung von Greenpeace wird deren Kapazität aber gar nicht in vollem Umfang benötigt. So könnten ab 2013 und verstärkt ab 2016 alte Kohlekraftwerke vorzeitig abgeschaltet werden, um die Umweltbelastung so niedrig wie möglich zu halten. Greenpeace fordert die Politik dazu auf, sich “am Machbaren” zu orientieren und keine Kompromisse einzugehen. Mitte Mai will die Bundesregierung über die Zukunft der Alt-AKWs und die weitere Marschrichtung in puncto Energiewende entscheiden. (ok)




