Umfrage: 70 Prozent der Deutschen gegen Atomstrom-Importe

Kurz nach dem folgenreichen Unfall im japanischen AKW Fukushima Daiichi hat die Bundesregierung entschieden, acht der 17 Atommeiler in Deutschland für ein dreimonatiges Moratorium ganz vom Netz genommen. In dieser Zeit soll im Rahmen von Sicherheitschecks über die Zukunft der ältesten Atommeiler Deutschlands entschieden werden. Aktuell läuft zudem eine planmäßigen Revision der Anlage im bayerischen Grafenrheinfeld, wodurch auch diese für einige Wochen keinen Strom ins Netz einspeisen kann. Insgesamt ist zur Zeit also die Hälfte der deutschen Kernkraftwerke vom Netz. Medienberichten zufolge haben die Versorger bereits Atomstrom aus Frankreich importiert.
Sollte Deutschland durch einen beschleunigten Atomausstieg zu einem Importeur von Atomstrom werden, würden sich die meisten Befragten gegen einen Ausstieg entscheiden. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Kölner Meinungsforschungsinstituts YouGoV hervor, die im Auftrag der dpa durchgeführt wurde. Ganze 70 Prozent der Befragten würden den Ausstieg ablehnen, wenn Deutschland dadurch zu Atom-Importen gezwungen wären. Nur 18 Prozent würden trotzdem auf den Ausstieg setzen. Insgesamt wurden 1.086 Deutsche befragt.
Die Energieriesen warnen bereits: Sollte die Bundesregierung zu schnell aus der Kernkraft aussteigen, könnten die Atomstrom-Importe aus dem Ausland schon bald an der Tagesordnung sein. Experten sind sich jedoch sicher, dass die Energieversorger den Atomstrom aus dem Ausland nicht importieren, weil er zwingend zur Deckung des deutschen Strombedarfs benötigt wird, sondern vielmehr deshalb, weil er viel günstiger als der Strom aus den deutschen Ökostrom-Anlagen ist.
Bis Mitte Mai will die Bundesregierung über die Zukunft der momentan abgeschalteten Alt-AKWs entscheiden. Dann soll auch eine Entscheidung darüber fallen, wie schnell die Energiewende in Deutschland umgesetzt wird. Bevor die regenerativen Stromquellen den größten Teil des Strom- bedarfs decken können, müssen die Stromnetze ausgebaut werden. (ok)




