Mehr Windkraft: NRW präsentiert neuen Energieplan

Die Landesregierung in NRW will bis zum Jahr 2020 den Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung von aktuell 3,7% auf 15% erhöhen. Wie dies geschehen soll, wird im neuen Energieplan erläutert, der gestern vorgelegt wurde. Die Regierung plant, insgesamt 2% der Landesflächen für die aktive Nutzung der Windenergie zu reservieren. Die Windparks sollen dabei vorrangig entlang von Bahnstrecken, Autobahnen und Stromleitungen gebaut werden, da die Belastungen hier “kaum wahrnehmbar” seien. Der Windenergie-Erlass der Landesregierung sieht außerdem vor, den bisher geltenden Mindestabstand von 1500 Metern zu Wohngebieten zu verringern. Auch die aktuellen Höhenbegrenzungen für Windräder sollen aufgehoben werden. Darüber hinaus sollen sich Bürger verstärkt finanziell an den Windparks beteiligen können.
NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) erklärt gegenüber der “Rheinischen Post”, dass die Zahl der Standorte weitgehend stabil gehalten werden kann, wenn - wie geplant - alte Anlagen durch neue und leistungsfähigere Anlagen ersetzt werden (”Repowering”). Das hat laut Remmel eine dem Landtag nun vorgelegte Studie ergeben. Wenn die neuen Anlagen erheblich höher sind als die bisherigen, wird sich die Kulturlandschaft “sicherlich verändern” räumt Remmel ein.
Doch nicht nur das sorgt in NRW weiter für Diskussionen. Im Namen der “Aktion Gegenwind” wies Allgemeinmediziner Franz Joachim Weyers aus Wesel bei einer Anhörung im Düsseldorfer Landtag z.B. darauf hin, dass Windkraftanlagen durchaus gesundheitliche Risiken für die Anwohner bergen. So könnten Anwohner, die zu dicht an den Windrädern wohnen, wegen des Infraschalls unter Schlafstörungen und Kopfschmerzen leiden und Panik-Attacken bekommen. Die Aktion fordert deshalb, dass der Mindestabstand der Windräder zu den Wohngebieten mindestens das 15-Fache der Höhe betragen muss.
Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisiert den Mindestabstand der Windräder zu Schutzgebieten, der zum Beispiel im Falle des Fischadler-Schutzes mindestens 2500 Meter betragen müsse. Der Sauerländer Heimatbund sieht in den Windrädern außerdem eine Gefahr für den Tourismus, denn durch den Ausbau der Windenergie gäbe es die unberührte Landschaft nicht mehr, wegen der viele Touristen ins Sauerland reisten, so die Sorge des Heimatbunds. Angesichts dieser noch zahlreichen Befürchtungen und Gegenstimmen will Johannes Remmel nun eine sogenannte Clearing-Stelle einrichten, die schon im Vorfeld des Windenergie-Ausbaus solche Konflikte lösen soll. (mh)




