Zertifikate und Gütesiegel: Verbraucher sind beim Ökostrom verunsichert
Die Atom-Katastrophe im japanischen Fukushima hat gezeigt, dass sich die Kernenergie im Ernstfall nicht beherrschen lässt. Viele Stromkunden haben sich nach den Ereignissen dazu entschlossen, ihren privaten Ausstieg aus der Atomenergie zu vollziehen und so schnell wie möglich zu einem Ökostrom-Anbieter zu wechseln. Wie nun das Verbraucherportal Verivox berichtet, sind jedoch viele Kunden durch die Flut an Ökostrom-Gütesiegeln und Zertifikaten verunsichert. Das Problem: Ökostrom ist bis heute kein geschützter Begriff. So ist es für Stromanbieter möglich, ihren Atom- und Kohlestrom mit dem Kauf von Ökostrom-Zertifikaten in selbigen umzuwandeln. Der Verbraucher denkt in diesem Fall, dass er reinen Ökostrom bezieht und damit einen Beitrag zur Energiewende leistet, erhält aber unterm Strich nur umetikettieren Graustrom, der den Ausbau erneuerbarer Energien nicht fördert.
“Die verschiedenen Ökostromzertifikate und –gütesiegel verwirren viele Verbraucher, die bereit sind, etwas für die Umwelt zu tun. Hier könnte der Gesetzgeber mehr Sicherheit schaffen und allgemeine Richtlinien für Ökostromprodukte einführen”, so Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox. Das scheint auch dringend angezeigt zu sein, denn selbst die Gütesiegel bzw. Ökostrom-Zertifikate geben Verbrauchern nicht immer 100%ige Gewissheit darüber, ob ein Strom-Anbieter auch wirklich grünen Strom produziert und den Bau neuer Anlagen fördert. Hier kann man nur auf ein baldiges Einschreiten des Gesetzgebers hoffen, damit Strom, der mit dem Label Ökostrom verkauft wird, auch wirklich durch den Ausbau der Erneuerbaren einen Nutzen für die Umwelt bringt und Verbraucher nicht durch Umetikettierung an der Nase herumgeführt werden.
Bis dahin müssen sich Verbraucher noch an den vorhandenen Gütesiegeln und Zertifikaten orientieren, wenn sie in einen Öko-Tarif wechseln möchten. Die größte Sicherheit bietet das Grüner Strom Label. Anbieter, die ihren Tarif mit diesem Label zertifizieren möchten, müssen den schärfsten Kriterienkatalog erfüllen. Das “Gold”-Label des Grüner Strom Label e.V. erlaubt ausschließlich erneuerbare Energiequellen oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) ohne fossile Brennstoffe als Energiequellen. Darüber hinaus dürfen ausschließlich derartige Anlagen mit den Zusatzkosten für den Ökostrom-Tarif gefördert werden. RECS- Zertifikate sind im Rahmen des Grün Strom Labels nicht erlaubt. Zudem kann der Verein Unternehmen, die dem Thema “Erneuerbare Energien” gegenüber negativ eingestellt sind, von dem Gütesiegel ausschließen.
Auf Nummer sicher gehen: In Deutschland gibt es zur Zeit nur eine Handvoll Anbieter, die zu 100% Strom aus regenerativen Energiequellen anbieten und diese intensiv mit dem Bau von neuen Anlagen fördern. Dazu zählen Greenpeace Energy, LichtBlick, Naturstrom und die EWS Schönau. Bei der Wahl dieser Anbieter kann man ganz sicher sein, dass man zum einen 100% Strom aus regenerativen Energiequellen erhält und darüber hinaus auch noch aktiv zum Ausbau der Anlagen beiträgt.




