Bauern können Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln nicht decken
Nach einer Studie des Münchner Ifo- Instituts für Wirtschaftsforschung kann die heimische Bio-Produktion die weiter steigende Nachfrage nach Bio-Produkten nicht decken. Schon im letzten Jahr kam deshalb die Hälfte der in Deutschland angebotenen Bio-Waren als Import aus dem Ausland. Ifo-Experte Matthias Balz ist sich sicher, dass Verbraucher eindeutig eine Vorliebe für regional erzeugte Produkte haben. Da es diese aber in viel zu geringer Menge gibt, wundert es nicht, dass der Marktanteil für Bio-Lebensmittel nur bei knapp 4% liegt. Laut Studie liegt Deutschland damit im europäischen Vergleich im Mittelfeld. Zum Vergleich: In Dänemark, Österreich, Schweden oder der Schweiz ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Bio-Lebensmittel doppelt so hoch.
Manche Länder wie Schweden, Spanien oder Tschechien fördern zudem gezielt die Öko-Landwirtschaft für den Export nach Deutschland. Und das scheint sich gut zu lohnen, immerhin hat sich die Menge der deutschen Importe in den vergangenen drei Jahren verdoppelt. Balz sieht diese Entwicklung kritisch, er ist besorgt, dass dem derzeitigen Bio-Boom in Deutschland “seine regionale Basis und somit seine Glaubwürdigkeit abhanden kommen”. Insbesondere Zwiebeln, Frischgemüse, Getreide, Kartoffeln und Eier sind echte Mangelware.
2010 wurde in Deutschland mit Bio-Lebensmitteln ein Umsatz von knapp 6 Milliarden Euro erzielt - dreimal so viel wie noch vor zehn Jahren. Mit diesem Umsatz ist Deutschland bereits hinter den USA der zweitgrößte Markt für Bio-Lebensmittel weltweit. Dazu haben vor allem Kantinen und Gastronomiebtriebe beigetragen. Nicht nur, dass Kitas und Schulen zunehmend auf Bio-Lebensmittel setzen, auch die Zahl gewerblicher Küchen, die mit einem Bio-Zertifikat ausgestattet sind, hat sich in den letzten fünf Jahren fast vervierfacht.
Für das erste Quartal 2011 erwarten die Bio-Verbände ein deutliches Wachstum in zweistelliger Prozenthöhe. Das ist auch auf den Dioxin-Skandal zurückzuführen, durch den die Bio-Branche in Deutschland zusätzlichen Schwung erhielt. Seitdem ist die Nachfrage nach Bio-Eiern und Bio-Geflügel deutlich gestiegen. Allerdings müssen die Verbraucher damit rechnen, dass durch die steigende Nachfrage nach Bio- Lebensmitteln auch die Preise wieder anziehen. (mh)





