20.000 Tonnen Plastikmüll landen jährlich in der Nordsee
Kanister, Joghurtbecher, Zahnpastatuben, Flaschen - die Nordseeküste verkommt immer mehr zur Müllkippe. Auf nur 100 Meter Nordseestrand werden jedes Jahr im Durchschnitt etwa 700 Teile Plastikmüll angespült, die entweder von Menschen am Strand zurückgelassen oder aber ganz oder in geschredderter Form von Schiffen in die Nordsee geworfen werden. “Zwischen Sylt und Borkum gibt es keinen plastikfreien Strand mehr”, erklärte Matthias Heckroth, Geschäftsführer des Mellumrates, gegenüber der Nachrichtenagentur epd. Das Müllproblem ist aber nicht nur für die Meeresbewohner ein großes Problem, auch Vögel leiden zunehmend unter der Verdreckung der Nordseeküsten.
Laut Heckenroth werden jedes Jahr etwa 20.000 Tonnen Plastikmüll in die Nordsee gekippt. Durch die Meereströmung lande der Abfall dann später im Nordatlantik, wo er bereits eine Fläche bedecke, die größer sei als Deutschland und Polen zusammen. Etwa vier Fünftel des Plastikmülls gelangt über die Flüsse in die Meere. Die Naturschutz- und Forschungs- gemeinschaft Mellumrat finde immer mehr verendete Vögel an der Nordseeküste, die dem Plastikmüll zum Opfer gefallen sind. Die Tiere verwechseln kleine Plastikteile oft mit Nahrung. Durch die spitzen Kanten können die Magenwände verletzt werden, wodurch die Tiere schließlich an inneren Blutungen verenden. Auch in sorglos im Meer entsorgten Fischernetzen finden sich immer wieder qualvoll verendete Vögel.
Einer Studie der Universität Kiel zufolge hatten rund 93 Prozent aller an der Nordseeküste tot aufgefundenen Vögel Plastikmüll in ihren Mägen. Pro Tier waren es im Durchschnitt 29 Partikel, 26 davon sogenanntes Verbraucherplastik. In einer Wanderausstellung will der Mellumrat nun auf das Müllproblem aufmerksam machen. Unter dem Titel “Müll am Strand - na und?” werden die Ursachen und die Auswirkungen der Verschmutzung thematisiert. Bis zum 25. April ist die Ausstellung im Schloss Jever zu sehen, danach geht sie auf Tour durch andere Städte.
Der Mellumrat untersucht sei den 90er Jahren die Verschmutzung der Nordseestrände. Der Naturschutzverein existiert bereits seit 1925. Damals gründete sich der Verein zum Schutz der unbewohnten Nordseeinsel Mellum. Heute betreut der Umweltschutzverein auch weitere Inseln und Gebiete im Sinne des Naturschutzes. Die Haupt- aufgabe des Mellumrats ist die Betreuung und Überwachung von offiziellen Naturschutzgebieten. (ok)




