Umfrage: Große Mehrheit will schnellen Atomausstieg mit mehr Klimaschutz verbinden
Die AKW-Katastrophe im japanischen Fukushima hat nicht nur dazu geführt, dass sich die Deutschen eine schnelle Abkehr von der Atomenergie wünschen, sie wollen diese auch gleichzeitig mit einer Ausweitung des Klimaschutzes verbunden wissen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage von Forsa im Auftrag der Umweltorganisation Germanwatch. Nur 15 Prozent der wahlberechtigten Deutschen würden unterstützen, dass als Alternative für ein beschleunigtes Abschalten von Kernkraftwerken neue Kohlekraftwerke gebaut werden. 90 Prozent sprechen sich parteiübergreifend dafür aus, dass die Bundesregierung jetzt die erneuerbaren Energien ausbauen soll und 87 Prozent wünschen sich eine verbesserte Energieeffizienz.
Im Gegensatz zu früheren Umfragen würden es 73 Prozent der Befragten in Kauf nehmen, dass im Zuge eines schnellen Ausbaus der Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz die Strompreise vorübergehend steigen. Selbst eine knappe Mehrheit der Geringverdiener mit einem Einkommen von weniger als 1000 Euro würde höhere Strompreise akzeptieren. “Die Botschaft der Bürgerinnen und Bürger an den Energiegipfel am Freitag ist klar”, sagt Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch. “Schnellerer Atomausstieg Ja - verlangsamter Klimaschutz Nein. Die Menschen setzen auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz und wollen raus aus den Risikoenergien Atom und Kohle. Selbst wenn sie dafür vorübergehend höhere Energiepreise in Kauf nehmen müssen.”
Der Netzausbau könnte sich schwierig gestalten: So sind nur 10 Prozent der Befragten für eine Einschränkung der Bürgerbeteiligung, um den Ausbau von Stromleitungen und Stromspeichern zu beschleunigen. 80 Prozent wollen hingegen frühzeitig und direkt mit einbezogen werden. Das könnte dazu führen, dass wie im Fall der Windenergie der Ausbau der Netze durch die Anwohner blockiert wird. Überraschend: Der Wunsch nach einer schnellen Energiewende ist bei den älteren Gruppen am stärksten ausgeprägt. Bei den 18- bis 29-jährigen finden die Pläne der Bundesregierung zwar bei 82 Prozent der Befragten Zuspruch, bei den Älteren liegt die Zustimmung jedoch acht bis zehn Prozent darüber.
Fast zwei Drittel der Befragten wünschen sich ein stärkeres Engagement der Bundeskanzlerin für höhere Klimaziele auf EU-Ebene. 63 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Angela Merkel aktiv das Ziel unterstützt, den CO2-Ausstoß der EU bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent oder mehr zu reduzieren. 29 Prozent der Befragten wollen sogar, dass Merkel sich für ein noch höheres EU-Klimaziel einsetzt. “Die Menschen erwarten von der Kanzlerin, dass sie den beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz auch nach Europa trägt”, sagt Christoph Bals. “Voraussetzung dafür ist, dass die EU ihr Klimaziel auf mindestens 30 Prozent anhebt. Ein klares Ja der Bundesregierung ist hierfür Voraussetzung. Viele in der EU, aber auch viele Bundesbürger, warten auf diese Positionierung von Angela Merkel.” (ok)





