Jeder zweite Amerikaner hält Atomkraft auch nach Fukushima für sicher

Während die Atomkatastrophe in Deutschland Anlass einer seit Tschernobyl nie mehr dagewesenen Debatte über die Sicherheit der Atomkraft ausgelöst hat und Zehntausende Menschen gegen die Atomenergie protestieren und selbst die Politik Konsequenzen zieht, scheinen die US-Amerikaner relativ unbeeindruckt von den Ereignissen in Japan. So ergab eine aktuelle Umfrage der renommierten US- Zeitung “Washington Post” und des TV- Senders ABC, dass 53% der Amerikaner Atomreaktoren immer noch als sichere Energiequellen betrachten. Ihr Vertrauen in die Atomkraftwerke ist nach eigenen Angaben auch durch die Katastrophe in Fukushima nicht erschüttert worden.
Vier von zehn Amerikaner bezweifeln der Umfrage zufolge angesichts der Ereignisse in Japan jedoch mittlerweile die Sicherheit der Kernenergie und immerhin fast zwei Drittel der Befragten (64%) lehnen den Bau neuer Atomkraftwerke ab. Damit hat sich der Anteil der Gegner neuer Atomkraftwerke seit Juli 2008 deutlich erhöht. Damals sprachen sich 53% gegen den Bau neuer Reaktoren aus. Die Zahl derer, die “strikt” gegen neue Atomkraftwerke sind, hat sich mehr als verdoppelt, sie liegt in der aktuellen Umfrage bei 47% und lag 2008 noch bei 23%. Geht es um die Unterstützung eines Kraftwerkbaus in direkter Nähe des Wohnorts, sprechen sich sogar 59% der Befragten “strikt dagegen” aus.
Auffällig ist, dass mit einer Differenz von 20% wesentlich mehr Frauen gegen den Bau neuer Atomkraftwerke sind als Männer. Auch bei der Einschätzung der Sicherheit von Kernreaktoren sind Frauen kritischer: 14% mehr Frauen als Männer halten Kernkraftwerke für unsicher und 18% mehr Frauen als Männer geben zu, dass ihr Vertrauen in die Atomenergie seit Fukushima gesunken ist. Die Umfrage wurde vom 14. bis 17. April telefonisch durchgeführt, es nahmen 1001 Erwachsene teil.
Atomenergie war nie ein in der Öffentlichkeit breit diskutiertes Thema in den USA. In den späten 1970er Jahren unterstützte etwa die Hälfte der Amerikaner den Bau von Atomkraftwerken. Nachdem es im März 1979 im AKW “Three Mile Island” in Pennsylvania durch einen Kernschmelzunfall fast zu einer Katastrophe kam, änderte sich die öffentliche Meinung etwas. In den 1980er Jahren, insbesondere 1986 nach der Katastrophe in Tschenobyl, sank die Unterstützung für die Atomenergie auf ein Rekordtief von 19%. Seitdem hat sich die Zustimmung zur Atomkraft jedoch stetig erholt und lag 2008 mit 44% auf dem Höhepunkt. (mh)




