Öko-Fonds reagieren auf Kritik und werfen AKW-Betreiber aus dem Depot
Wie in der April-Ausgabe von Öko-Test berichtet wurde, sind nur in 5 von 73 von der Redaktion getesteten Öko-Fonds tatsächlich ausschließlich saubere Fonds enthalten. In den übrigen 68 angeblichen Öko-Fonds steckten zum Teil sogar Aktien von Atomkraftwerkbetreibern. Nachdem das Verbrauchermagazin Öko-Test an dieser Irreführung heftige Kritik geübt hatte, reagierten inzwischen viele der Fondgesellschaften. Auf Nachfrage von Öko-Test versicherte zum Beispiel der LBBW Global Warming Fonds als eine der betroffenen Gesellschaften, dass man die Kriterien enger gefasst habe und künftig Betreiber von Atomenergieanlagen aus dem Fonds ausschließen wird. Das bedeutet zwar nicht zwangsläufig, dass alle Atomtitel komplett ausgeschlossen werden, aber zumindest die Aktie des Atomkraftwerksbetreibers Fortum aus Skandinavien ist jetzt schon mal nicht mehr im Fonds enthalten.
Ebenfalls mit verschärften Anlagekritierien und dem Ausschluss der Aktie eines britischen Atomenergieproduzenten (Centrica) hat die Kepler Ethik Aktienfonds (A) aus Österreich auf die Kritik von Öko-Test reagiert. Sie teilte mit, dass man “ohne jede Toleranz beim Umsatzanteil” ab sofort Atomstromproduzenten komplett ausschließen wird. Gleiches gilt für die Produzenten und Lieferanten von Uran oder anderen Komponenten von AKWs, die damit mehr als 10% ihres Gesamtumsatzes machen.
Der von HSBC Global Asset Management gemanagte INIK Fonds überarbeitet gerade seine Anlagebedingungen und will zukünftig Atomstromproduzenten, die mehr als 5% ihres Umsatzes mit Atomstrom erwirtschaften aus dem Fonds ausschließen. Nach eigenen Angaben sind inzwischen auch keine atomstromproduzierenden Unternehmen mehr im Portfolio enthalten. Gleiches gilt auch für die Union Invest und die von ihr gemanagten Fonds, den Raiffeisen-Ethik-Aktien A-Fonds, den Pioneer Global Ecology Fonds und die belgische Dexia Asset Management.
Grüne Geldanlagen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, immer mehr Anlager legen ihren Schwerpunkt nicht nur auf die Rendite, sondern auch auf die Nachhaltigkeit und wollen beim Anlegen ihres Geldes soziale und ökologische Faktoren berücksichtigen. Insgesamt betrachtet ist der Markt für grüne Geldanlagen noch klein, weist dafür aber schon beachtliche Wachstumsraten auf. Nach Angaben des European Sustainable and Responsible Investmentforum (Eurosif) hat sich das Volumen nachhaltiger Investments in Europa seit 2008 von 2,7 Billionen Euro um 87% auf 5 Billionen Euro erhöht. Für viele Investoren waren die anhaltende Finanzkrise und die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im letzten Jahr ausschlaggebend für ein Umdenken. Die aktuelle Atomkatastrophe im japanischen Fukushima wird diese Tendenz ganz sicher verstärken. (mh)




