Ökostrom-Anbieter profitieren von neuem Umweltbewusstsein der Deutschen
Die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima hat in Deutschland zu einem Prozess des Umdenkens geführt. Immer mehr Menschen wenden sich von der Atomenergie ab und plädieren für einen beschleunigten Umstieg auf erneuerbare Energien. Das zeigen sie auch vermehrt in ihrem eigenen Engagement, indem sie sich für einen Anbieter von Ökostrom entscheiden und den Stromanbieter wechseln. Aktuell gibt es in Deutschland nur vier Anbieter, die zu 100% Strom aus regenerativen Energiequellen verkaufen und die sich zudem aktiv für den Ausbau der erneuerbaren Energien einsetzen, indem sie entsprechende Anlagen ausbauen und finanziell fördern. Dies sind die Ökostromanbieter Lichtblick, Naturstrom, Greenpeace Energy und die EWS Schönau.
Der nach eigenen Angaben größte Anbieter von Ökostrom, Lichtblick, hat seit Mitte März 20.000 Neukunden gewinnen können, das sind dreimal so viele Neukunden wie in einer vergleichbaren Zeitspanne vor Fukushima üblich war. Lichtblick-Sprecher Ralph Kampwirth berichtet, dass der Zulauf in den ersten drei Wochen nach der Katastrophe besonders groß war, an sehr guten Tagen wurden bis zu 1200 Neu-Verträge abgeschlossen, im Schnitt 800 Neu-Verträge. Aktuell hat das Unternehmen über 520.000 Privat- und Gewerbekunden, die mit Ökostrom beliefert werden.
Auch Naturstrom hat in den drei Wochen nach der Katastrophe in Fukushima deutlichen Kundenzuwachs verzeichnet: Über 30.000 neue Kunden sollen alleine in diesem Zeitraum zu ihm gewechselt sein, danach waren es nach eigenen Angaben noch immer rund 5000 Neukunden pro Woche. Greenpeace-Energy, ebenfalls Anbieter von reinem Ökostrom, hat seit dem 11. März rund 6000 Neukunden verzeichnet und beliefert somit mittlerweile über 100.000 Kunden mit Ökostrom. Noch immer schließen rund 1000 Kunden pro Woche einen Vertrag bei Greenpeace Energy ab, das sind etwa fünfmal so viele Kunden wie in einer normalen Woche vor der Katastrophe. Die Elektrizitätswerke Schönau melden eine Verachtfachung des Kundenzuwachses seit dem Unfall in Fukushima, insgesamt wurden 7000 neue Kunden gemeldet. Bundesweit beziehen inzwischen rund 112.000 Kunden Ökostrom der EWS Schönau.
Selbst Eon, einer der größten deutschen Stromkonzerne und Betreiber von Atomkraftwerken, meldet eine steigende Nachfrage seiner Kunden nach Ökostrom, wenn auch in einem weniger großen Umfang wie die Anbieter, die ausschließlich Ökostrom-Produkte anbieten. Laut dem Onlinevergleichsportal toptarif.de wechseln über 60% der Kunden, die ihren Anbieter wechseln, aus dem Grund, weil sie zukünftig nur noch Ökostrom beziehen wollen. Vor Fukushima war dies nur für 40% der ausschlaggebende Grund für einen Wechsel. Das Onlineportal Verivox beziffert den Anteil der Wechselkunden, die aus diesem Grund den Anbieter wechseln, sogar auf 90%. (mh)




