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Bundesnetzagentur: Netzstabilität ist durch Moratorium nicht gefährdet

Bundesnetzagentur: Netzstabilität ist durch Moratorium nicht gefährdet
Bundesnetzagentur-Chef sieht die Netzstabilität durch das Atom-Moratorium nicht gefährdet und warnt vor unnötiger Panikmache. (Foto: © Sturm / Pixelio)

Nach Ansicht von Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur, ist die Stabilität der Stromnetze durch das von der Regierung verhängte Moratorium zur Stilllegung der sieben ältesten deutschen Atommeiler, nicht gefährdet. Die aktuelle Debatte über einen möglichen Zusammenbruch der Netze werde “oft oberflächlich und interessengeleitet” geführt, kritisiert Kurth in einem Interview mit “Spiegel Online”. Die Energie-Industrie betreibe eine Panikmache, um damit ihre eigenen Interessen durchzusetzen und das sei unnötig und nicht zielführend. Viel wichtiger wäre hingegen ein analytisches und konsequentes Vorgehen, um verantwortungsvoll mit der neuen Situation umzugehen. Es gebe zwar durchaus Anlass, sich um die Stabilität der Netze zu sorgen, aber erste Untersuchungen der Bundesnetzagentur hätten ergeben, dass die Auswirkungen des Moratoriums auf die Netzstabilität beherrschbar sind. Dennoch müsse man vorausschauend handeln, insbesondere angesichts der aktuellen und anstehenden Revisionen einiger Atomkraftwerke.

Derzeit sind die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel zur Revision vom Netz genommen, für Juni ist die Revision des Reaktors Brokdorf geplant. Da auch das AKW Unterweser aktuell stillliegt (wegen des Atom-Moratoriums) könnte die Netzstabilität dann in Gefahr sein. Deshalb solle man erwägen, die Revision des Reaktors Brokdorf auf die Zeit nach dem Moratorium zu verschieben. Alternativ könnten andere Zu- und Abschal- tungen von Kraftwerken diskutiert werden. Auf die Frage, ob dann nicht die Sicherheit der Reaktoren zugunsten einer Versorgungssicherheit vernachlässigt wird, erklärt Kurth, dass nicht jede verschobene Revision auch gleichzeitig die Sicherheit gefährdet.

Kurth bestätigt, dass aktuell alle deutschen Kraftwerke auch ohne die acht abgeschalteten Meiler noch immer mehr Strom produzieren, als in Deutschland verbraucht wird. Die gestiegenen Importzahlen seien auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen, mit anderen Worten, er wird zu den günstigsten Preisen eingekauft. Er betonte außerdem, dass der angestrebte Atomausstieg nur dann gelingen und eine Versorgungs- sicherheit langfristig nur dann gewährleistet werden kann, wenn der Neubau moderner Kraftwerke beschleunigt wird.

Die Warnungen des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), dass eine dauerhafte Abschaltung der acht ältesten Meiler und ein beschleunigter Atomausstieg bis zum Jahr 2018 den Strompreis um fast ein Drittel ansteigen lassen wird, weist Kurth entschieden zurück. Das Moratorium werde sich keinesfalls so drastisch auf den Strompreis auswirken, allerdings seien seriöse Berechnungen zur zukünftigen Strompreisentwicklung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich. (mh)