Studie: Deutsche sind bereit, für atomfreien Strom mehr zu bezahlen
Erst kürzlich ergab eine aktuelle Umfrage der Marktforscher von TNS Emnid, die im Auftrag des Nachrichtensenders N24 durchgeführt wurde, dass die Deutschen dazu bereit sind, für den Umstieg von der Atomenergie auf erneuerbare Energien, mehr zu zahlen. Nun konkretisiert eine aktuelle Umfrage des Magazins “Stern”, wie hoch diese Mehrkosten denn sein dürften, die jeder Bundesbürger für die Energiewende zu zahlen bereit ist. 60% der Befragten gaben an, dass bis zu 10 Euro pro Monat zusätzlich für atomfreien Strom ausgeben würden, 20% würden sogar bis zu 30 Euro monatlich mehr für ihren Strom bezahlen, wenn sie sicher sind, dass dieser nicht aus Atomenergie stammt. 6% der Befragten würden für atomfreien Strom sogar Mehrkosten von bis zu 50 Euro pro Monat in Kauf nehmen und 1% wäre sogar dazu bereit, bis zu 100 Euro zusätzlich pro Monat zu bezahlen, um die Energiewende zu beschleunigen. 13% der Befragten antworteten auf die Frage, wie viel Mehrkosten sie bereit seien für atomfreien Strom zu zahlen, “weiß nicht”, “gar nichts” oder “mehr als 100 Euro”.
Im Vergleich zu einer ganz ähnlichen Umfrage Ende März, die im Auftrag der “Bild am Sonntag” durchgeführt wurde, hat sich die Bereitschaft der Bundesbürger, Mehrkosten für atomfreien Strom zu zahlen, sogar eher noch gesteigert. Damals erklärten 31% der Befragten 1-10 Euro pro Monat mehr zu bezahlen, 10% waren bereit Mehrkosten von bis zu 20 Euro monatlich zu akzeptieren und 7% wollten bis zu 30 Euro monatlich mehr für eine beschleunigte Energiewende bezahlen.
Ob und wie stark der Strompreis durch einen schnellen Atomausstieg tatsächlich steigen würde, darüber herrscht in Expertenkreisen noch immer Uneinigkeit. So glaubt Matthias Kurth, der Chef der Bundesnetz- agentur, dass sich die Stilllegung der ältesten Meiler in Deutschland durch das Moratorium “nicht dramatisch” auf den Strompreis auswirken wird, weist jedoch darauf hin, dass die Entwicklung des Strompreises bei einer dauerhaften Abschaltung der alten AKWs aktuell nicht verlässlich prognostiziert werden kann. Energieanalyst Tobias Federico von der Beratungsfirma Energy Brainpool hatte schon im März für “Spiegel Online” Berechnungen erstellt, die ergaben, dass die Strompreise auf absehbare Zeit auch durch den beschleunigten Umstieg auf erneuerbare Energien nicht steigen werden. Dieser Meinung sind auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsordnung (DIW).
Anders sieht dies der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der die Mehrkosten der Energiewende für einen durchschnittlichen Haushalt in Deutschland auf 137 Euro jährlich (das entspricht 11,42 Euro / Monat) beziffert. Auch die dena geht von einer Strompreiserhöhung von 4-5 Cent pro Kilowattstunde aus, laut ihren Berechnungen liegen die Mehrkosten für einen Durchschnittshaushalt bei monatlich 13,50 Euro. (mh)




