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Greenpeace: Gravierende Sicherheitslücken in deutschen AKWs

Greenpeace: Gravierende Sicherheitslücken in deutschen AKWs
Greenpeace weist darauf hin, dass die Sicherheitsstandards bei deutschen Atomkraftwerken niedriger liegen als in Fukushima. (Foto: © Bleyenberg / Pixelio)

Die Umweltschützer von Greenpeace weisen in einem Bericht darauf hin, dass deutsche Atomkraftwerke keineswegs so sicher sind, wie viele Bürger annehmen. Vielmehr seien die Sicherheitsstandards der deutschen Reaktoren zum Teil noch niedriger als die im japanischen AKW Fukushima, in dem seit Wochen Arbeiter gegen den GAU kämpfen. Kernphysiker und Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital erklärt, dass die deutschen AKWs keineswegs - wie von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) behauptet - zu den sichersten der Welt gehören. Stattdessen würden die Sicherheitskriterien seit Jahren so formuliert, dass sie selbst die ältesten Reaktoren erfüllt werden und so keine teuren Nachrüstungen nötig waren. Smital fordert, dass nun alle bestehenden Sicherheitsschwächen lückenlos aufgedeckt werden. Problematisch sind laut Greenpeace vor allem die Siedewasserreaktoren und hier vor allem die vier ältesten (Brunsbüttel, Isar 1, Krümmel und Philippsburg 1). Aber auch die neueren Siedewasserreaktoren in Gundremmingen B und C haben Sicherheitslücken in Notstrom- und Kühlsystemen, auf die Experten schon seit langem hinweisen.

Während der Sicherheitsbehälter, der den Reaktordruckbehälter mit den Brennelementen umschließt, im AKW Fukushima aus einer mehreren Meter dicken Betonhülle besteht, bestehen die Sicherheitsbehälter der sogenannten Baureihe 69, zu der die oben genannten vier Kraftwerke gehören, nur aus einer wenigen Zentimeter dicken Stahlhülle, die sehr leicht schmelzen kann. Dieser Konstruktionsfehler kann nachträglich nicht behoben werden. Sollte hier die Situation eintreten, dass das Kühlsystem versagt und es zu einer Kernschmelze kommen, kann viel schneller und eine größere Menge Radioaktivität austreten.

Ein weiteres Problem sehen die Experten bei den Abklingbecken der Atomkraftwerke. Genau wie in Fukushima liegen auch in den deutschen AKWs Gundremmingen B und C und in den vier Reaktoren der Baureihe 69 die Abklingbecken außerhalb der Sicherheitsbehälter. In den Becken befinden sich mehr radioaktive Brennelemente als im Reaktorkern. Bei einem Ausfall des Kühlsystems und dem daraus resultierenden Verlust von Kühlwasser in den Abklingbecken würde auch hier die Strahlung sehr schnell so stark werden, dass keine Not- und Rettungsmaßnahmen mehr durchgeführt werden können.

Angesichts dieser Zustände fordert Greenpeace von Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Gesetz zur Laufzeitverkürzung für alle Atomkraftwerke in Deutschland. Neben der sofortigen und endgültigen Abschaltung der sieben ältesten Reaktoren, dem AKW Krümmel und Neckarwestheim 2 fordern die Umweltschützer, dass spätestens 2015 auch das letzte Kernkraftwerk stillgelegt wird. (mh)