Stromnetz der Bahn als Lieferant von Ökostrom?
Ein entscheidendes Problem des Stroms aus erneuerbaren Energien ist, dass er nicht überall dort, wo er gebraucht wird, auch erzeugt werden kann. Es bleibt also die Frage, wie die saubere Energie an ihre Bestimmungsorte gebracht werden kann, in den letzten Monaten wurde der erforderliche Netzausbau immer wieder heftig diskutiert. So hat eine Studie der Deutschen Energieagentur kürzlich ergeben, dass 3600 Kilometer neue Hochspannungsleitungen erforderlich wären, um den in Norddeutschland erzeugten Strom aus Windenergie nach Süddeutschland zu transportieren. In vielen Regionen stößt dies aber auf großen Widerstand in der Bevölkerung, die sich gegen den Neubau von Trassen in unmittelbarer Nachbarschaft wehren.
Nun will die Bundesregierung überprüfen, ob der Ökostrom nicht über das Leitungsnetz der Deutschen Bahn transportiert werden könnte. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erklärte gegenüber der “Welt”, dass die Nutzung bestehender Netze gleich zwei Vorteile hat. Zum einen sei sie wirtschaftlicher als ein Neubau von Stromnetzen und zum anderen würden die Menschen nicht durch zusätzliche Stromtrassen in ihrer Umgebung belastet, so die Argumente des Ministers.
Eine Machbarkeitsstudie soll nun zeigen, welche Trassen genutzt werden könnten und welche planungsrechtlichen Voraussetzungen hierfür erfüllt sein müssten. Gleichzeitig sollen auch die wirtschaftlichen Folgen für die beteiligten Unternehmer und die Verbraucher ermittelt werden. Auf die Durchführung einer solchen Studie haben sich Vertreter der Bundesnetz- agentur, des Bundeswirtschaftsministeriums, des Verkehrsministeriums, der Deutschen Bahn und des Eisenbahn-Bundesamtes geeinigt.
Die Deutsche Bahn hat - nach dem des Energiekonzerns RWE - mit einer Länge von 7800 Kilometern das zweitgrößte Hochspannungsnetz in der Bundesrepublik. Auch wenn die Initiative der Bundesregierung von der Bahn grundsätzlich begrüßt wird, steht sie den Plänen zunehmend skeptisch gegenüber. Aufgrund unterschiedlicher Stromfrequenzen und anderer Spannungen müssten für die Durchleitung von Haushaltsstrom neue Leitungen gezogen werden, stellten die Energieexperten der Bahn fest. Nicht nur, dass dieser bauliche Aufwand enorm sei und ungewiss, ob sich das Durchleitungsgeschäft überhaupt rechnen würde, auch die Planfeststellungsverfahren zur Aufrüstung der Bahnleitungen dürften nicht unterschätzt werden. Schließlich führten viele der Bahnleitungen - anders als Überlandleitungen - durch dicht besiedelte Gebiete, so die Bedenken der Deutschen Bahn. (mh)




