Dena-Chef steht Windkraft-Ausbau an Land skeptisch gegenüber

Stephan Kohler, seines Zeichens Chef der Deutschen Energieagentur (Dena), glaubt nicht an einen umfassenden Ausbau der Onshore-Windkraft. Vor allem hinsichtlich der Windkraft in südlichen Bundesländern wie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zeigte sich Kohler skeptisch. Alle drei Bundesländer sind dicht besiedelt und angesichts des oftmals sehr großen Widerstands in der Bevölkerung gegen große Windkraftanlagen, rechnet er hier mit großen Problemen. Deshalb setzt die Dena lieber auf Offshore-Windparks vor den deutschen Küsten.
Offshore-Windparks gelten zwar als sehr zuverlässige Stromlieferanten, aber auch umstritten, weil für sie ein massiver, bundesweiter Ausbau der Stromleitungen erforderlich ist, damit der Strom aus dem Norden auch in seine Bestimmunsgegebiete transportiert werden kann. Laut einer neuen Netzstudie der Dena der Dena gibt es einen Bedarf von 3600 Kilometer an Höchstspannungsleitungen, was einem zusätzlichen Bedarf von 15% entspricht. Würde man Hochtemperaturleitungen einsetzen, wäre der Bedarf nur bei 1600 Kilometern, allerdings auch deutlich teurer, erklärt Kohler in einem Interview in der “Berliner Zeitung”.
Auch hier gibt es großen Widerstand in der Bevölkerung. Um diesen abzumildern, schlägt Kohler vor, die betroffenen Bürger und Kommunen finanziell zu entschädigen, so dass sich der Netzausbau für Anwohner und Gemeinden auch unmittelbar lohne. Eine Möglichkeit dafür sei, die Gewerbesteuer, die für Strommasten fällig wird, direkt in der Gemeinde auszuschütten, in der auch der Standort der Windkraftanlage liegt. So könne man neben dem “aufwändigen Naturausgleich beim Leitungsbau” auch die Menschen vor Ort berücksichtigen, so Kohler. Dies könnte auch über eine direkte Beteiligung der Bürger an den Windanlagen erfolgen.
Allerdings kritisiert Kohler auch die Einstellung vieler Leute, die zwar eine schnelle Energiewende fordern, aber gegen entsprechende Maßnahmen sind, sobald diese in ihrer unmittelbaren Nähe durchgeführt werden. So zeigen Umfragen immer wieder, dass es in der Bevölkerung zwar eine breite Unterstützung für den Ausbau erneuerbarer Energien gibt, aber nicht wenn dieser vor der eigenen Haustür stattfindet. Laut der Dena könnten bis zum Jahr 2025 durch Onshore-Windkraft 8000 bis 10.000 Megawatt Leistung neu installiert werden, was etwa 6000 bis 7000 neuen Windrädern entspricht. Das Potenzial der Offshore-Windkraft liegt Kohler zufolge im gleichen Zeitraum bei etwa 9000 bis 14.000 MW. (mh)




