Bundesnetzagentur: Ausbau der Netze kostet Verbraucher 1,5 Cent pro Kilowattstunde
Der für die Energiewende notwendige Ausbau der Stromnetze wird laut Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, teuer. Er schätzt, dass sich die Kosten auf etwa 20 bis 40 Milliarden Euro belaufen werden. Der Betrag würde sich jedoch auf mehrere Jahre verteilen, erklärte Kurth im Gespräch mit der “DerWesten”. Die hohen Kosten für den Netzausbau werden sich laut Kurth auch auf den Strompreis für Endkunden auswirken: “Beim Endkunden- strompreis würde das einen bis 1,5 Cent je Kilowattstunde ausmachen”, so Kurth. Er geht davon aus, dass für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Verbrauch von rund 4.000 Kilowattstunden so Mehrkosten von 40 bis 60 Euro pro Jahr entstehen. Diverse Umfragen nach der AKW-Katastrophe im japanischen Fukushima haben gezeigt, dass die Verbraucher durchaus bereit sind, für einen schnelleren Atomausstieg höhere Strompreise zu akzeptieren.
Kurth äußerte sich in dem Interview auch zur aktuellen Versorgungslage in Deutschland. Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, sind aktuell nur sechs der insgesamt 17 deutschen Atomkraftwerke am Netz. Statt 21.000 Megawatt werden im Augenblick nur 8.500 Megawatt aus Kernkraft in das deutsche Stromnetz eingespeist. Bereits im März 2011 ging RWEs Atommeiler Grafenheinfeld für Wartungsarbeiten vom Netz. Am Sonntag gegen 17 Uhr schaltete der Stromanbieter dann auch den den Reaktor Grundremmingen B für planmäßige Wartungsarbeiten ab. Am Montag folgte dann auch das AKW Grohnde von Energieriese Eon. Auch hier werden planmäßige Revisionsarbeiten durchgeführt. Hinzu kommen die im Rahmen des Atom-Moratoriums abgeschalteten Altmeiler.
Kurth zufolge ist damit das obere Ende der Fahnenstange erreicht. So gäbe es momentan zwar noch keinen Grund in Panik zu geraten, weil Stromausfälle drohen könnten, die Eingriffe ins Stromnetz hätten aber deutlich zugenommen. So habe es nach dem Moratorium bereits mehrere kritische Momente geben, verriet Kurth. Nur mit großen Anstrengungen sei es möglich, die Stromnetze stabil zu halten. Die Kraftwerksbetreiber müssten deutlich häufiger als vor dem Moratorium angewiesen werden, ihre Kapazitäten zu erhöhen oder zu drosseln. Viele Stromleitungen befänden sich bereits “an der Belastungsgrenze”, fügte Kurth hinzu.
Für den Übergang könne nicht auf mehr Kohlekraft verzichtet werden. “Die Kohlekraftwerke, die 2011 und 2012 voraussichtlich neu ans Netz sollen, erzeugen maximal sechs Gigawatt Strom. Wir haben mit dem Moratorium aber acht Gigawatt vom Netz genommen”, so der Chef der Bundesnetzagentur. Laut Kurth erzeugen die neueren Kohlekraftwerke weniger CO2-Emissionen als alte. Deswegen würde er es begrüßen, wenn das Kohlekraftwerk Datteln käme. So würde sichergestellt, dass nicht alte Kraftwerke mit höheren Emissionen und einem niedrigeren Wirkungsgrad weiterlaufen. (ok)




