Klimawandel bringt neue Stechmücken und Viren nach Deutschland

Neuste Forschungen des Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI), der Universität Heidelberg und der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) haben ergeben, dass der Klima- wandel unter anderem dafür gesorgt hat, dass hierzulande neue, bislang exotische Stechmückenarten heimisch werden und so auch Krankheiten auftauchen, die es bislang in Deutschland so nicht gab. Die Forscher hatten in den letzten Jahren an den großen Flüssen und Seen Deutschlands Mückenfallen aufgestellt und rund 500.000 Tiere untersucht. Unter anderem fanden die Forscher so in Südwestdeutschland den japanischen Buschmoskito, den man bis dato in Deutschland nicht kannte.
Darüber hinaus entdeckten sie in anderen Stechmückenarten Sindbis-, Batai- und Usutu-Viren. Diese Viren können fieberartige Krankheiten bei Menschen und Tieren auslösen. Das Sindbis-Virus ist schon seit längerem auch in Skandinavien verbreitet und löst neben Fieber vor allem auch rheumatische Gelenkbeschwerden aus, kann aber auch Hautausschläge verursachen und selten sogar mit einer Gehirnentzündung einhergehen. In den meisten Fällen heilt eine Infektion auch ohne spezifische Therapie ohne Folgen aus, eine Impfung gegen das Virus gibt es bislang nicht. Das Batai-Virus verursacht neben Fieber auch andere Grippe-Symptome und Hautausschläge. Meistens ohne schwere Krankheitssymptome verläuft eine Infektion mit dem sogenannten Usutu-Virus, das jedoch Fieber oder Hautausschläge verursachen kann. Es kann nicht nur auf Menschen und Säugetiere, sondern auch auf Vögel übertragen werden, für die eine Infektion jedoch meist tödlich endet.
Auf der Basis einer solch umfassenden Analyse soll die “Mückenkarte” für Deutschland auf den neusten Stand gebracht werden. Egbert Tannich vom BNI erklärt, dass diese Arbeit ein gesundheitspolitisch sehr wichtiger und notwendiger Schritt in der kontinuierlichen Überwachung der Stech- mücken und der von Stechmücken übertragenen Viren in Deutschland sei. Das interdisziplinäre Projekt “Vorkommen und Vektorkompetenz von Stechmücken in Deutschland” wurde in diesem Jahr ins Leben gerufen und wird von der Leibniz-Gemeinschaft finanziell gefördert.
Insgesamt wurden 48 Stechmückenarten in Deutschland nachgewiesen, darunter immer mehr, die aus tropischen und subtropischen Regionen stammen, aber durch den Klimawandel auch den Weg nach Deutschland finden. Zu den Stechmücken, die es früher in Deutschland nicht gab, aber die schon seit längerem hierzulande immer wieder auftreten und dabei für Schlagzeilen sorgen, gehört z.B. die Asiatische Tigermücke, die das Dengue-Fieber übertragen kann, oder die Malaria-Mücke Anopheles plumbeus. Trotz der aktuellen Untersuchungsergebnisse warnen die Experten vor übertriebenen Panikreaktionen. So seien weder Malaria- Epidemien zu erwarten noch rechne man mit einem Ausbruch anderer gefährlicher Krankheiten wie dem West-Nil- oder Dengue-Fieber. (mh)




