Bundesregierung will Elektromobilität mit 1 Mrd Euro fördern

Offenbar will die Bundesregierung in den nächsten beiden Jahren die Entwicklung von Elektroautos mit insgesamt 1 Milliarde Euro fördern. Das Geld soll vor allem der Grundlagenforschung zugute kommen, darüber hinaus soll es für die Halter von Elektrofahrzeugen steuerliche Vorteile und zusätzlich “nichtmonetäre Anreize” geben. Diese könnten beispielsweise in der Nutzung von speziellen Parkplätze und Fahrspuren bestehen. Eine direkte Kaufprämie, wie sie unter anderem von der Autoindustrie und den Grünen gefordert wurde, soll es allerdings vorerst nicht geben. Das berichtet heute die “Welt am Sonntag” unter Berufung auf eine Regierungsvorlage, die am kommenden Mittwoch im Bundeskabinett diskutiert werden soll.
In ihrer wöchentlichen Video-Botschaft zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Samstag zuversichtlich. Sie sei sehr optimistisch, dass Deutschland trotz großer Konkurrenz aus Asien zum “Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität” werde und dass bis zum Jahr 2020 eine Million und dann bis 2030 bis zu 6 Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs seien. Die Kanzlerin nimmt am Montag den Bericht der “Nationalen Plattform Elektromobilität” (NPE) entgegen, in dem allerdings große Zweifel an der Realisierbarkeit der von der Bundesregierung gesteckten Ziele in Sachen Elektromobilität geäußert werden. Die Marke von 1 Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 könne nur erreicht werden, wenn es staatliche Unterstützung gebe, heißt es dort laut der Deutschen Presse-Agentur. Ohne staatliche Förderung würden dem Bericht zufolge bis 2020 nur 450.000 Elektroautos unterwegs sein.
Diese Bedenken der Autoindustrie sind hauptsächlich durch den Wunsch nach Subventionen motiviert, kritisieren Umwelt- und Verkehrsverbände gleichermaßen. Hinzu kommt, dass die Nutzung von Elektroautos generell umstritten ist. Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck erklärt, dass die 41 Millionen Autos in Deutschland für gerade einmal 14% der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich sind und dass Elektroautos niemals ein Massentransportmittel werden können, da sie noch viel zu schwer und zu teuer seien. Dem Klimaschutz nutzen die Fördermittel der Bundesregierung ihm zufolge sehr wenig.
Auch Ferdinand Dudenhöffer, der das Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen leitet, ist der Meinung, dass Elektroautos nur als Übergangslösung verstanden werden sollten, er glaubt fest an das Brennstoffzellen-Fahrzeug als Technologie der Zukunft. Elektroautos sind seiner Meinung nach höchstens eine Alternative für Ballungsräume, aber niemals für lange Strecken, erklärt er in der “Welt am Sonntag”. (mh)




