Angst vor EHEC: Massive Umsatzeinbrüche bei deutschen Bauern
Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem gefährlichen Darmkeim EHEC folgen immer mehr Menschen dem Rat des Robert-Koch- Instituts (RKI) und verzichten komplett auf Gurken, Tomaten und Blattsalat. Für die Gemüsebauern in Deutschland wird die Ausbreitung von EHEC zur finanziellen Katastrophe. Inzwischen ist der Absatz dieser drei Lebensmittel um bis zu 70% eingebrochen, überall in Deutschland müssen die Bauern ihre gesamte Ernte vernichten oder unterpflügen.
Obwohl auf Salatgurken aus Spanien der EHEC-Erreger nachgewiesen wurde, sind die Verbraucher generell bei Gurken, Tomaten und Salaten skeptisch und kaufen diese Lebensmittel überhaupt nicht mehr, völlig unabhängig von der jeweiligen Herkunft. Axel Boese von der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland berichtet, dass alleine in Niedersachsen fünf Großabnehmer des Einzelhandels ihre Gemüsebestellungen storniert haben und dass auch die Bauern in Nordrhein-Westfalen von massiven Absatzeinbrüchen berichten. Für die Obst- und Gemüsebauern ist die Absatzkrise besonders dramatisch, da viele von ihnen sich auf wenige Sorten wie z.B. Tomaten oder Gurken spezialisiert haben. Durch die Verunsicherung der Verbraucher sind ganze Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Boese fordert deshalb von der Politik eine klare Aussage, dass das deutsche Gemüse nicht mit EHEC belastet ist.
Die Vorsicht der Verbraucher ist im Einzelhandel deutlich zu spüren. So berichtet ein Metro-Sprecher, dass der Absatz von Salat und Gurken - wenn auch in geringem Umfang - zurückgegangen sei. Vor allem bei Gemüse aus Spanien zeigten sich die Kunden zurückhaltend. Allerdings fragen die Kunden deutlich häufiger nach der Herkunft des Gemüses als es vor dem Ausbruch von EHEC der Fall war. Ein Edeka-Sprecher betonte, dass die Supermarktkette über zahlreiche Lieferanten aus Deutschland und anderen Ländern verfüge, so dass die Kunden hier weiterhin Gurken erhalten, nachdem die spanischen Gurken vorsorglich wegen des EHEC- Verdachts aus dem Sortiment genommen wurden.
Inzwischen mahnte auch Verbraucherministerin Ilse Aigner zur Vorsicht beim Verzehr von Gemüse. Sie rät den verbrauchern, auf rohe Gurken, ungekochte Tomaten und Blattsalate weiterhin zu verzichten, solange die Quelle des Erregers nicht zweifelsfrei identifiziert werden kann. Dass Bauernverbände und Lebensmittelhändler über massive Umsatzeinbußen klagen, verstehe sie, aber dennoch habe der Verbraucherschutz immer Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen, so Aigner. (mh)




