Bundesnetzagentur hält Strom-Engpässe an Pfingsten für möglich
Wegen der zahlreichen abgeschalteten deutschen Atomkraftwerke befürchtet jetzt die Bundesnetzagentur, dass es in der nächsten Woche zu Engpässen im Stromnetz kommen kann. So erklärte Bundesnetzagentur-Präsident Matthias Kurth gegenüber der “Rheinischen Post”, dass es wegen der schwachen Stromlast an Pfingsten im Stromnetz eng werden könne. Aktuell seien die Stromnetze insgesamt schon an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, weil man “ein Instrumentarium [nutze], das eigentlich für Notfälle vorgesehen ist”, so Kurth. Ein teilweiser Netzausfall könne deshalb nicht ausgeschlossen werden. Der Engpass entstehe dadurch, dass gleichzeitig Strom aus Wind- und Sonnenenergie an weit entfernten Standorten in das Netz einfließt, während die industrielle Produktion ruht.
Im Winter sei die Situation eine andere, denn dann ist der Verbrauch hoch und es fließt nur wenig Solarstrom in die Netze. Zudem könnten im absoluten Notfall dann auch stromintensive Produktionsstätten zeitweise abgeschaltet werden, wenn extreme Überlastungen des Stromnetzes drohen. Kurth appellierte an die Bundesregierung, ihre in dem neuen Energiekonzept vorgesehenen Zielsetzungen schnell anzugehen.
Aktuell sind aufgrund des Atom-Moratoriums acht der insgesamt 17 deutschen Kernkraftwerke vom Netz. Nach dem Energiekonzept der Bundesregierung sollen diese Meiler (mit einer Ausnahme als stille Reserve) auch nicht wieder in Betrieb genommen werden. Weitere Reaktoren sind momentan wegen Wartungsarbeiten nicht am Netz, so dass derzeit nur vier AKWs laufen. Allerdings macht die Kernkraft auch nur noch 22% der Stromerzeugung in Deutschland aus.
Nach langen Verhandlungen hatte sich die Bundesregierung am Wochenende auf ein neues Energiekonzept geeinigt, das u.a. vorsieht, bis spätestens 2022 alle Atomkraftwerke in Deutschland stillzulegen und den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 von derzeit 17% auf 35% zu erhöhen. Vielen Umweltorganisationen und auch der Opposition geht das Konzept nicht weit genug, sie fordern eine radikalere Neuausrichtung der Energiepolitik. Kritik gab es auch aus der Industrie, so kündigte der Energiekonzern Eon bereits an, wegen der Brennelementesteuer und der finanziellen Einbußen, die er durch den Atomausstieg erleidet, gegen die Bundesregierung zu klagen. (mh)




