EHEC-Epidemie: Lage scheint sich langsam zu beruhigen
Prof. Reinhard Brunkhorst, Präsident der Gesellschaft für Nephrologie, teilte heute in Hamburg mit, dass sich die Lage um EHEC - zumindest was die aktuelle Zahl der Neuinfektionen - angeht, leicht zu beruhigen scheint. Allerdings sei diese Einschätzung mehr ein Eindruck und Gefühl, kein Ergebnis einer klinischen Studie. Ein Hoffnungsschimmer, der jedoch nicht allzu optimistisch bewertet werden sollte, denn auch vorher schon schien die Erkrankungswelle mit dem aggressiven Darmkeim EHEC langsam abzuflauen und dann stieg die Zahl der Neuinfektionen zur Überraschung der Mediziner doch wieder an.
Inzwischen ist es Forschern aus Münster, Hamburg und China geglückt, das Erbgut des EHEC-Erregers zu identifizieren. Für Andreas Hensel, den Präsidenten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), ist dies ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Ausbreitung des Erregers und die Behandlung der erkrankten Patienten. Den Forschern zufolge handelt es sich bei dem derzeit aktiven EHEC-Erreger um eine seltene Kombination von Genen, die bislang wissenschaftlich noch unbekannt war. Es sei eine Art Kreuzung zwischen zwei verschiedenen Erregerstämmen, die für den schweren Verlauf der Infektion mit dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) verantwortlich ist, das Nieren und Hirn schädigen kann.
Aktuell sind rund 500 Patienten von HUS betroffen, mindestens 17 Menschen starben daran. Die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärte, dass der Erreger zwar bekannt, aber noch nie tatsächlich bei einem Ausbruch aufgetreten sei. Von dem aktuellen Ausbruch sind Menschen in Deutschland, Dänemark, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz, Spanien, Tschechien und den USA betroffen. Die meisten Patienten im Ausland hatten sich kurz vorher in Deutschland aufgehalten.
Woher der Erreger stammt und wie er übertragen wird, ist noch immer ein Rätsel. Experten suchen immer noch fieberhaft nach der Quelle der Epidemie. Um sich vor einer Ansteckung zu schützen, wird empfohlen, auf rohe Tomaten, Gurken und Blattsalate zu verzichten und auf eine sehr gründliche Handhygiene zu achten. Wer trotzdem starke, krampfartige Bauchschmerzen und blutigen Durchfall bekommt - vor allem, wenn er in letzter Zeit in Norddeutschland war -, sollte einen Arzt aufsuchen. (mh)




