Studie: Energiewende könnte am Ausbau der Stromnetze scheitern
Eine Studie des Potsdamer Instituts für Klimaforschung, der Denkfabrik IIASA und der Unternehmensberatung PwC kommt zu dem Ergebnis, dass für den EU-weiten Ausbau von erneuerbaren Energien noch immer etliche Leitungen und Netze fehlen, die den grünen Strom in der EU verteilen können. In dem gestern in Brüssel vorgestellten Bericht wird zwar festgestellt, dass es mittlerweile zumindest einige der notwendigen politischen Rahmenbedingungen gebe, aber dass der Bau neuer Stromnetze und Leitungen am wachsenden Widerstand der Bevölkerung scheitern könnte.
Mitautorin Antonella Battaglini vom Potsdamer Institut beschreibt die derzeitigen Rechtsvorschriften zwar als ineffizient, aber vor allem den öffentlichen Widerstand als stark. Um das Ziel, bis zum Jahr 2050 den Strom zu 100% aus erneuerbaren Energien zu decken, erreichen zu können, müsste man laut der Studie aber “heute noch mit dem Aufbau der Infrastruktur für schlaue und länderübergreifende Stromnetze in Europa und Nordafrika beginnen”. Das Hauptproblem bestehe mittlerweile nicht mehr in den politischen Rahmenbedingungen, die sich - nicht zuletzt durch die Atomkatastrophe in Fukushima und den deutschen Atomausstieg - erheblich verbessert hätten. So stiegen z.B. die Kosten für CO2-Emissionszertifikate kurzfristig um 10% an, was das Kosten- Nutzen-Verhältnis von erneuerbaren Energien weiter verbessert hat.
Problematisch seien allerdings weiterhin vor allem die Genehmigungs- verfahren. Um diese zu beschleunigen, schlug EU-Energiekommissar Günther Oettinger vor, Großprojekte wie Stromleitungen von bestimmten Auflagen zu befreien und zusätzliche Mitarbeiter in den zuständigen Genehmigungsstellen anzustellen. Damit soll sichergestellt werden, dass kein Genehmigungsverfahren länger als vier Jahre dauert. Aktuell dauert ein solches Prüfverfahren in Deutschland im Durchschnitt 8-10 Jahre, bei länderübergreifenden Projekten sogar noch erheblich länger.
Ein zusätzliches Problem ist die aktuelle Situation in Nordafrika. Die politischen Unruhen und Umbrüche in den letzten Monaten haben die Abstimmungen mit europäischen Partnern etwas erschwert. So liegen auch die Vorarbeiten für das Desertec-Projekt aktuell “auf Eis”, berichtet Anthony Patt von der IIASA-Denkfabrik. Mit dem Megaprojekt Desertec soll Ökostrom aus Nordafrika nach Europa transportiert werden. (mh)




