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EHEC-Epidemie: Biogas-Anlagen als Quelle des Erregers?

EHEC-Epidemie: Biogas-Anlagen als Quelle des Erregers?
Experten halten es für möglich, dass der EHEC-Erreger aus Biogasanlagen stammt und über Düngemittel auf die Felder gelangt ist. (Foto: © Juweltop / Pixelio)

Noch immer ist unklar, woher der EHEC- Erreger überhaupt stammt, der nun seit einigen Wochen in Deutschland grassiert und schon 20 Menschenleben forderte. Berichten zufolge halten es Labor- und Veterinärmediziner inzwischen auch für möglich, dass der aggressive Darm- Erreger aus Biogasanlagen stammen könnte. So erklärt Bernd Schottdorf von Schottdorf MVZ, dem größten privaten Medizinlabor in Europa, in der “Welt am Sonntag”, dass sich in den Gärbehältern von Biogasanlagen häufig Bakterien miteinander kreuzen oder miteinander verschmelzen, so dass dann neue Bakterienstämme entstehen, die bislang unbekannt sind. Diese Mischung, in der sich neue Krankheitserreger tummeln, würde dann als Düngemittel auf den Feldern verteilt. Schottdorf fordert deshalb eine möglichst schnelle Untersuchung der Biogasanlagen in Deutschland auf mögliche Krankheitserreger.

Auch Ernst-Günther Hellwig. Leiter der Agrar- und Veterinärakademie in Horstmar im Münsterland, hält es für möglich, dass die EHEC-Erreger aus den Biogasanlagen kommen. Der Fachverband Biogas wies die Vermutungen der Mediziner vehement zurück.

Der Geschäftsführer des Verbandes betont, dass es aktuell keinen “belegbaren Zusammenhang” zwischen Biogasanlagen und der EHEC- Epidemie gebe. Laut EU-Hygienevorschrift ist eine Hygienisierung für Biogasbetreiber vorgeschrieben, nach der das Gärsubstrat rund eine Stunde lang bei 70°C erhitzt wird. Durch diesen Prozess seien mögliche Erreger garantiert nicht mehr aktiv seien, betont der Verband. Allerdings kann niemand mit 100%iger Sicherheit sagen, dass sich alle deutschen Biogasanlagen auch tatsächlich an diese Hygienevorschrift halten.

In der Zwischenzeit spitzt sich die Situation an den norddeutschen Kliniken immer mehr zu. Viele Ärzte und Pflegekräfte arbeiten für die umfassende Versorgung der Patienten in den Kliniken rund um die Uhr und bis zur Belastungsgrenze. Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) räumte gegenüber der “Bild am Sonntag” ein, dass in einigen Kliniken wegen EHEC Engpässe entstanden seien und dass die Lage der Krankenversorgung mancherorts angespannt sei. Er forderte, fehlende Kapazitäten durch freie Plätze in den umliegenden Krankenhäusern auszugleichen. Bahr will sich heute selbst ein Bild über die Situation im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf machen. (mh)