EHEC auf Sprossen und Entwarnung für Gurken, Tomaten und Salat
Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wurde der Auslöser der aktuellen EHEC-Epidemie entdeckt. Zum ersten Mal wurde der Darmkeim des aggressiven Typs O104:H4 auf Sprossen entdeckt. Wie die Behörden am gestrigen Freitag mitteilten, handelt es sich hierbei um Sprossen aus einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel. Die Packung mit verdächtigen Sprossen wurde geöffnet in einer Mülltonne in der Nähe von Bonn gefunden. Zwei der drei Familienmitglieder, die hier wohnten, hatten Sprossen verzehrt und erkrankten Mitte Mai an EHEC. Wie das Verbraucherschutzministerium mitteilte, konnte zum ersten Mal eine ununterbrochene Kette zwischen den infizierten Sprossen und tatsächlichen Erkrankungsfällen nachgewiesen werden.
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zeigte sich nach diesen Ergebnisse erleichtert, ebenso wie Niedersachsens Agrarminister Gert Lindemann (CDU), der am letzten Sonntag als erster vor Sprossen als Überträger des EHEC-Erregers gewarnt hatte. Lindemann betonte, dass die Situation trotzdem noch keine Entwarnung erlaube. Bislang sind über 4000 Personen in Deutschland an EHEC erkrankt oder stehen unter Infektionsverdacht, mindestens 31 Menschen sind daran gestorben.
Für Gurken, Tomaten und Blattsalate, die in den letzten Wochen ebenfalls unter Verdacht standen, den gefährlichen Darmkeim zu übertragen, gaben die Behörden allerdings inzwischen Entwarnung. Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel, bestätigte, dass die Warnung vor dem Verzehr dieser Lebensmittel aufgehoben sei und diese nun wieder bedenkenlos gegessen werden könnten. Für die Bauern bedeutete die Verzehr-Warnung immense Verluste. Experten schätzen, dass den deutschen Bauern durch die EHEC-Krise Verluste in Höhe von 65 Millionen Euro entstanden sind.
Zurückhaltung übte dagegen Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CDU), die betonte, dass noch zahlreiche Analysen ausstehen und viele Spuren noch nicht zurückverfolgt worden sind. So wisse man z.B. noch überhaupt nicht, wie der Darmkeim überhaupt auf die Sprossen gelangt ist. Der Biohof in Bienenbüttel wurde inzwischen vorsorglich gesperrt. Er darf nun kein Gemüse mehr an den Handel ausliefern. Gert Lindemann berichtete, dass der Hof nach den bisherigen Kenntnissen nichts falsch gemacht habe und dass dessen Betreiber deshalb auch nicht mit juristischen Konsequenzen rechnen müsse. (mh)




