Studie: Keine Engpässe wegen Atomausstieg zu erwarten

Eine neue Studie der TU Berlin, die in Kooperation mit der TU Dresden und dem europäischen Hochschulinstitut in Florenz durchgeführt wurde, hat ergeben, dass auch bei einem kurzfristigen Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland keine Engpässe oder Black-Outs zu befürchten sind. Bei dieser Studie wurde zum ersten Mal nicht nur die Versorgungssicherheit, sondern auch die Auswirkungen des nun fest geplanten Atomausstiegs auf die Hochspannungsnetze in Deutschland und den Nachbarstaaten berücksichtigt.
In der Studie wurden zwei Ausstiegsszenarien analysiert: Eines betrifft die Auswirkungen des aktuellen Atom-Moratoriums, bei dem im März acht AKWs stillgelegt wurden und eines betrifft den kompletten Ausstieg aus der Atomkraft. Die Bundesregierung hatte einen schrittweisen Ausstieg bis 2022 beschlossen. Die Forscher analysierten für beide Szenarien die Auswirkungen eines typischen Tages auf die Stromversorgung, die Importe und Exporte, die Netzflüsse und die Preise.
Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass das Moratorium in seiner jetzigen Form kaum Auswirkungen auf das deutsche Stromsystem hat. Außerdem zeigten sie, dass der Wegfall der Kernkraft angesichts des geplanten Zubaus von 10 Gigawatt Leistung durch konventionelle Strom- Kraftwerke bis 2013 und etwa derselben Menge erneuerbarer Energien sowie der Integration in das europäische Stromsystem, in den nächsten 3-7 Jahren unproblematisch ist. Zusätzliche Importe von Kernenergie aus Frankreich oder Tschechien seien nicht erforderlich, da zusätzlicher Strom aus den Niederlanden, Österreich und Polen bezogen werden könnte.
Christian von Hirschhausen, Professor für Infrastrukturpolitik an der TU Berlin und einer der Koautoren der Studie, hält auch die Idee einer “Kalten Reserve” für “technisch unsinnig und ökonomisch ineffizient”. Die Bundesregierung hat in ihrem Energiekonzept festgelegt, eventuell einer der momentan stillgelegten Atommeiler als Reserve in Bereitschaft zu halten, um mögliche Stromengpässe im Winter zu vermeiden.
Die Studienautoren weisen jedoch darauf hin, dass noch weitere Analysen erforderlich sind, die über einen typischen Tag hinausgehen. Insbesondere die Einspeisung aus erneuerbaren Energiequellen und die damit verbundenen Schwankungen müssten bei weiteren Analysen adäquat berücksichtigt werden, heißt es in der Studie. (mh)



