Atomausstieg: Grüne fordern Einsatz von Biosprit-Anlagen
Durch den Beschluss des schrittweisen Atomausstiegs wurden die acht AKWs, die im Rahmen des zeitweisen Moratoriums stillgelegt waren, nicht wieder in Betrieb genommen, sondern endgültig stillgelegt. Nun wird diskutiert, wie sich die dadurch verloren gegangenen Stromkapazitäten ausgleichen lassen, so dass es nicht zu dem erwarteten Engpass von 1000 MW kommt. Wie jetzt die “Wirtschaftswoche” berichtet, haben die Stromanbieter der Bundesregierung nur 500 Megawatt als Reserven gemeldet. Es gibt zwar hierzulande noch genügend Kraftwerke, die aktuell abgeschaltet sind, doch die erneute Inbetriebnahme würde einen hohen Zeit- und Geldaufwand erfordern. So fehlen Betriebsmann- schaften und es fallen Investitionen an und bei den meisten Anlagen liegt die Vorlaufzeit bis zur Inbetriebnahme Experten zufolge bei 1-3 Jahren.
Ein Vorschlag ist, dass eines der stillgelegten Atomkraftwerke (bevorzugt in Süddeutschland) als Kaltreserve behalten, d.h. betriebsbereit gehalten wird, um im Notfall mit seiner Stromerzeugung einzuspringen. Die Ent- scheidung hierüber soll auf Basis eines Gutachtens getroffen werden, das von der Bundesnetzagentur in Auftrag gegeben wurde.
In der Diskussion um eine Kaltreserve zum Schutz vor Stromausfällen fordert die Grünen-Fraktion, dass stillstehende Biosprit-Anlagen in Betrieb genommen werden. Das teilte das Bundesumweltministerium auf Anfrage der Grünen-Fraktion mit, berichtet die “Frankfurter Rundschau”. Aktuell würden in Deutschland Hunderte Blockheizkraftwerke stillstehen, die insgesamt bis zu 300 MW Strom erzeugen könnten, heißt es. Diese Leistung entspricht fast einem Drittel der Kapazität eines AKW.
Laut Ministerium sind bundesweit 2111 Biosprit-Anlagen zur Erzeugung von Strom registriert, die theoretisch eine Gesamtleistung von 614 Megawatt erzielen können. Etwa ein Drittel dieser Anlagen und somit etwa gut die Hälfte der installierten Leistung sind jedoch aktuell nicht in Betrieb, da sich dieser aufgrund der hohen Pflanzenöl-Preise nicht lohne. Um die Anlagen als Reserve nutzen zu können, fordern die Grünen nun eine Gesetzesänderung, nach der Biomasse-Anlagen bei Engpässen zeitweise genau wie reguläre Blockheizkraftwerke mit Diesel oder Erdgas betrieben werden dürfen. So könnte der befürchtete Engpass zumindest um 300 Megawatt verringert werden. (mh)





