Nach Fukushima: Ökostrom-Nachfrage flaut deutlich ab
Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima konnten sich die deutschen Ökostrom-Anbieter kaum vor Anfragen retten. Die pausenlose Berichterstattung in den Medien sorgte dafür, dass viele Stromkunden ihren Anbieter auf den Prüfstand stellen und schließlich einen Wechsel vollzogen. Am meisten konnte die Naturstrom AG profitieren: Nach der Atomkatastrophe konnte das Ökostrom- Unternehmen rund 70.000 Neukunden begrüßen. Mitbewerber Lichtblick kommt 45.000 Neukunden, die sich nach dem Unfall für Strom aus erneuerbaren Energien entschieden haben und EWS Schönau sowie Greenpeace Energy kommen immerhin noch auf 16.400 bzw. 9.000 Neukunden.
Nach dem beschlossenen Atomausstieg der Bundesregierung und der immer weniger werdenden Berichterstattung in den Medien scheint auch das Interesse an Ökostrom bei den Deutschen wieder nachzulassen. Die Atomkatastrophe von Fukushima scheint schnell wieder in Vergessenheit geraten zu sein. Der Verbraucherportal Verivox hat nun einige Zahlen veröffentlicht, die belegen, dass das Interesse an Ökostrom in den Monaten nach der Katastrophe in Japan wieder abgeflacht ist.
Im April, kurz nach dem Reaktorunfall in Fukushima, wollten noch fast 80 Prozent aller, die bei dem größten deutschen Vergleichsportal Verivox einen Stromtarif suchten, Ökostrom beziehen. Vor dem AKW-Unfall lag diese Quote bei rund 54 Prozent. Schon im Mai flachte das Interesse an Ökostrom wieder deutlich ab. Zwar wollten immerhin noch 60 Prozent der Nutzer einen Ökostrom-Tarif, das Interesse am sogenannten Graustrom legte jedoch auch wieder deutlich zu und erreichte schon fast wieder das Niveau bevor die Reaktoren in Fukushima explodierten.
Im Juni kam der Ökostrom-Boom dann nahezu ganz zum Erliegen. Nur noch 55,4 Prozent der Nutzer wollten einen Ökostrom-Tarif beziehen. Zum Vergleich: Im Januar waren es noch 54,1 Prozent und im Februar 58,3 Prozent. Auch der Graustrom ist wieder voll “im Geschäft”: Im Juni informierten sich 44,6 Prozent der Nutzer über einen Graustrom-Tarif. Im März und April waren es nur rund 20 Prozent, im Januar und Februar 45,9 bzw. 41,7 Prozent. Etwas hat sich dann aber doch verändert: Der Anteil derer, die nach einem Ökostrom-Tarif suchen, der mit einem Gütesiegel ausgestattet ist, ist deutlich höher als vor der Katastrophe. Im Juni erkundigten sich 52,2 Prozent der Nutzer über einen Ökostrom-Tarif, der über ein Gütesiegeln wie Grüner Strom, ok Power oder TÜVverfügt. Vor der Katastrophe im März lag der Anteil nur bei rund 35 Prozent. (ok)




