Neuseeland: Ölfrachter Rena droht auseinanderzubrechen

Der vor der Küste Neuseelands havarierte Containerfrachter “Rena” droht auseinan- derzubrechen. Experten bezeichnen die Situation am den Schiff, das inzwischen große Risse aufweist, als prekär. Bruce Anderson, seines Zeichens der Sprecher der Bergungsmannschaft, beschreibt die Arbeiten als fürchterlich, das Schiff mache einen Höllenlärm, ächzt und knarrt überall. Bergungsmannschaften haben die Arbeit wieder aufgenommen, die jedoch wegen der Instabilität des Schiffes nur langsam voran gehen. Sie pumpen rund um die Uhr Öl von dem Schiff, werden jedoch durch schlechtes Wetter behindert. Auch die Vorhersagen machen keinen Mut, es wird auch weiterhin mit unruhiger See gerechnet.
Ebenfalls problematisch ist, dass das Schweröl, das sich noch im Bauch des Schiffes befindet, immer weiter abkühlt und verdichtet, seitdem die Schiffsmotoren abgeschaltet wurden. In dieser Konsistenz kann es von den angeschlossenen Pumpen schlecht angesaugt und abtransportiert werden. Nun sollen stärkere Pumpen an dem Schiff zum Einsatz kommen. Der neuseeländische Verkehrsminister Steven Joyce schätzt die Chancen, das komplette Schweröl abzupumpen, bevor das Schiff auseinander- bricht, für “nicht sehr gut” ein. Bislang konnten nur ca. 74 Tonnen Öl abgepumpt werden, am Montagabend (Ortszeit) waren noch ca. 1300 Tonnen Öl auf dem Schiff. Seit der Havarie des Frachters vor 12 Tagen sind Schätzungen zufolge schon bis zu 400 Tonnen Schweröl in den Südpazifik geflossen. Wegen schlechten Wetters mussten die Bergungsarbeiten zwischenzeitlich unterbrochen werden.
Die unter liberianischer Flagge fahrende “Rena” lief am 5. Oktober 2011 auf der Nordinsel Neuseelands rund 22 Kilometer vor dem Hafen von Tauranga am Astrolabe-Riff auf. Über die Ursachen des Unglücks gibt es bislang noch keine definitiven Aussagen. Medienberichten zufolge wollte die Crew möglicherweise eine Abkürzung nehmen, um früher den Hafen von Tauranga zu erreichen. Der Kapitän und der Steuermann des Schiffs seien inzwischen von der Polizei verhaftet worden.
Für Neuseeland ist es die bislang schwerste maritime Umweltkatastrophe in seiner Geschichte. Durch die Öl-Verschmutzungen sind Schätzungen zufolge bereits 1250 Seevögel verendet. Derweil versuchen Tausende Freiwillige unermüdlich, die Strände zu säubern und haben bereits mehrere Tonnen Abfall eingesammelt. (mh)




