Fukushima: AKW-Betreiber Tepco meldet mögliche Kernspaltung

In dem im März 2011 havarierten AKW in der japanischen Provinz Fukushima gibt es laut Betreiber Tepco Anzeichen für eine Kernspaltung. Den Angaben zufolge soll der beschädigte Reaktor 2 betroffen sein. Gleichzeitig beschwichtigt Tepco, dass es sich bei dem aktuellen Vorfall um “keine kritische Situation” handle. In den letzten Monaten war es sehr ruhig um das von dem Erdbeben und Tsunami zerstörten Atomkraftwerk geworden. Jetzt seien in Reaktor zwei geringe Mengen Xenon 133 und 135 gefunden worden. Die Edelgase entstehen bei der Kernspaltung von Uran, das in den meisten Kernkraftwerken als Brennstoff eingesetzt wird. Einem Sprecher von Tepco zufolge ist es nur kurzzeitig und örtlich sehr begrenzt zu einer Kernspaltung gekommen. Man habe die Situation in dem havarierten AKW weiterhin unter Kontrolle, so Tepco.
In der Nacht füllte Tepco den betroffenen Reaktor mit einem Mix aus Borsäure und Wasser. Die Borsäure soll verhindern, dass es zu einer Kettenreaktion kommt. Laut Tepco sind die Temperatur und der Druck innerhalb des Reaktors weiterhin stabil. Das Unternehmen will nun noch weitere Messungen vornehmen um sicherzustellen, dass es sich bei den derzeitigen Werten nicht um Fehlmessungen handelt. Eigentlich wollte Betreiber Tepco das AKW in Fukushima bis Ende dieses Jahres unter Kontrolle bringen und eine sogenannte Kaltabschaltung durchführen. Ob dieser Zeitplan angesichts der aktuellen Entwicklungen in Reaktor 2 noch eingehalten werden kann, ist äußerst fraglich.
Für eine Kaltabschaltung muss die Temperatur in den Reaktoren unter 100 Grad Celsius sinken. Nur wenn die Temperatur über einen längeren Zeitraum stabil ist, kann die Kaltabschaltung verkündet werden. Tepco geht aktuell davon aus, dass man dieses Ziel bis Ende dieses Jahres erreichen könnte. Für die Menschen, die die Sperrzone rund um das Atomkraftwerk räumen mussten, wäre dies eine sehr gute Nachricht: Sobald die Kaltabschaltung verkündet wurde, können rund 80.000 Einwohner in ihre Häuser zurückkehren um ihr Hab und Gut zu sichern. Sie mussten quasi über Nacht ihren gesamten Besitz zurücklassen und wohnen seit dem Unglück in Notunterkünften.
Im nächsten Schritt muss die Regierung für die Dekontamination der verseuchten Gebiete sorgen. Im ersten Schritt wurden bereits öffentliche Gebäude gereinigt. Vor Schulen und Kindergärten wurde der verseuchte Boden abgetragen und entsorgt. Die Regierung geht davon aus, dass die Dekontaminationsarbeiten noch bis März 2014 andauern werden. (ok)




