EU-Kommission stellt “Energy Roadmap 2050″ vor
Am Donnerstag hat die EU-Kommission mit der Energy Roadmap 2050 den aktuellen Energiefahrplan Europas vorgestellt. Die Roadmap zeigt Möglichkeiten auf, wie die Klimaschutzziele Europas auf technische und ökonomische Weise erreicht werden können. Die EU strebt an, die Treibhaus- gas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent im Vergleich zu dem Jahr 1990 zu senken. Die Experten haben mehrere Szenarien berechnet. Zwei Modelle, mit denen analysiert wurde, wie die Zukunft aussehen wird, ohne dass zusätzliche Maßnahmen implementiert werden (sogenannte Referenzszenarien), zeigen, dass mit den bisherigen Bemühungen die Klimaschutzziele nicht erreicht werden können.
Fünf weitere Analysen der EU zeigen auf, wie eine emissionsarme Energieversorgung aussehen könnte. Dabei werden die Aspekte Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Kernenergie und CSS-Technik unterschiedlich stark gewichtet. Unabhängig von der Gewichtung der einzelnen Komponenten können diese Pfade eine Senkung der Treib- hausemissionen um rund 85% erreichen. Die Kosten für eine Umsetzung der Szenarien sind in etwa vergleichbar und liegen vor allem unter denen der Referenzszenarien. Die EU lässt ihren Mitgliedsstaaten bei der Gestaltung ihres konkreten Energiemixes freie Hand.
Für Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen ist die zentrale Botschaft der Roadmap, dass Europa “stärker als bisher auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz setzen” muss, da dies “die Schlüssel für eine sichere und bezahlbare Versorgung und einen wirksamen Klimaschutz” seien. Röttgen betont, dass die Energiewende nicht nur dem Klimaschutz nutze, sondern auch ökonomisch sinnvoll sei, da sie zu neuen Technologien und industriellem Fortschritt führt. So können die erneuerbaren Energien das wirtschaftliche Wachstum fördern und die internationale Wettbewerbs- fähigkeit Deutschlands stärken. In diesem Zusammenhang plant Röttgen ein Gespräch mit Vertretern aus der Industrie und verschiedener anderer Branchen. Der Energy Roadmap 2050 zufolge werden die Strompreise bis 2030 allerdings steigen, was vor allem auf höhere Versorgungskosten und teure Technologien zurückzuführen sei. Die Mitgliedsstaaten der EU sind dazu aufgerufen, Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen, damit die Kosten gesenkt und die Versorgungssicherheit erhöht werden kann.
Der Energiefahrplan der EU kommt jedoch nicht bei allen gut an. Analysen des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) haben ergeben, dass das Potenzial erneuerbarer Energien in der Roadmap unterschätzt und die Kosten überschätzt werden. BEE-Präsident Dietmar Schütz kritisiert, dass in der Roadmap die kostensenkenden Effekte der erneuerbaren Energien nicht berücksichtigt und dass die Kosten für Infrastruktur- maßnahmen unverhältnismäßig hoch seien. Die Überlegungen der EU- Kommission, ein Zwischenziel für das Jahr 2030 zu definieren, hält Schütz für sinnvoll, mahnt aber an, dieses anspruchsvoll zu formulieren und mit verbindlichen Zielen für jeden Mitgliedsstaat zu verknüpfen. Das von der EU-Kommission genannte Zwischenziel von 30% ist für Schütz “eindeutig nicht ambitioniert”, die Verbände plädieren für mindestens 45%. (mh)




