Öko-Test: Putenfleisch ist häufig mit Antibiotika belastet
Wer bislang Putenfleisch als gesunde Alternative zu Rind- und Schweinefleisch ansah und der Pute auch den Vorzug vor Hähnchenfleisch gab, weil die Haltungs- bedingungen von Hähnchen teilweise unverantwortlich sind, wird nach den neusten Untersuchungen von Öko-Test seine Meinung revidieren müssen. Das Frankfurter Verbrauchermagazin hat in seinem Test insgesamt 12 Proben Putenfleisch (abgepacktes und gekühltes Putenbrustfilet oder Putenschnitzel) unter die Lupe genommen, darunter 9 Produkte aus konventionellen und 3 aus Bio-Mastbetrieben. Das Ergebnis der Analysen ist erschreckend: Im Test waren 7 Produkte aus konventionellen Betrieben “ungenügend” und 2 “mangelhaft”. Von den drei getesteten Bio-Produkten erhielten zwei die Note “gut” und eines die Bewertung “ausreichend”.
Fast alle getesteten Proben (auch die meisten Bio-Puten) waren mit Antibiotika belastet, teilweise sogar mehrfach. Besonders gefährlich: Die meisten gefundenen Keime waren resistent gegen Penicillin, Tetracylin und andere Antibiotika. Diese Resistenz ist darauf zurückzuführen, dass die Antibiotikagaben für eine wirklich effektive Krankheitsbehandlung wahrscheinlich zu kurz waren. So können manche der Keime überleben und Resistenzen entwickeln, die durch den Verzehr des Fleisches auch auf den Menschen übertragen werden können.
Doch nicht nur die Antibiotika-Belastung in dem getesteten Putenfleisch ist besorgniserregend, auch die Lebensbedingungen der Tiere sind schrecklich. Zwar verbietet das Tierschutzgesetz das teilweise oder vollständige Amputieren von Körperteilen eines Wirbeltieres, doch tatsächlich werden die Schnäbel von konventionell aufgezogenen Küken kurz nach der Geburt gekürzt, weil die Tiere auf engstem Raum leben müssen. Öko-Test berichtet von fast drei ausgewachsenen Hähnen oder sechs weiblichen Hennen auf 1 Quadratmeter. Die zusammengepferchten Tiere sind extrem krankheitsanfällig, haben wegen der durchtrennten Nervenbahnen in ihren Schnäbeln ständig Schmerzen und werden aggressiv, so dass sich die Tiere nicht selten gegenseitig tot hacken.
Öko-Test rät deshalb dringend davon ab, konventionelles Putenfleisch zu kaufen und empfiehlt Bio-Putenfleisch. Im Gegensatz zur konventionellen Zucht ist das Fleisch zwar deutlich teurer, aber dafür ist die Haltung der Tiere hier artgerechter. Sie leben in kleineren Beständen, sie verfügen über eine größere Stallfläche und dürfen auch ins Freie. Sie erhalten hochwertigeres Futter und ihre Schnäbel werden nicht beschnitten. Christiane Riewerts vom Zentralverband der Geflügelwirtschaft sieht die Ergebnisse von Öko-Test als nicht besorgniserregend an. Man sei mit den Ergebnissen der Fleisch-Qualität “gar nicht unzufrieden” und auch die Haltung der Puten und Hühner werde “kontinuierlich weiter verbessert”, erklärte Riewerts im Gespräch mit der WAZ Mediengruppe.




