Bundesnetzagentur: Trotz Kälte keine Stromknappheit in Sicht
Aufgrund der eisigen Temperaturen in den vergangenen Wochen ist die Nachfrage nach Strom innerhalb von Europa stark angestiegen. Besonders extrem ist die Nachfrage momentan in Frankreich, der Leistungsbedarf des Landes stieg auf einen Rekordwert von 101.700 Megawatt an. Zum Vergleich: Frankreich hat mehr als 15 Millionen weniger Einwohner, der Leistungsbedarf ist derzeit aber etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Der Grund für den hohen Bedarf liegt in der Heizart. In Frankreich und in einigen anderen Ländern wird hauptsächlich mit Strom geheizt, so dass hier witterungsbedingt deutlich mehr Strom benötigt wird als die Länder selbst erzeugen. Deshalb importieren sie Strom aus den benachbarten Ländern wie Deutschland.
Auch in Deutschland wird derzeit Strom aus den Ersatzkraftwerken hierzulande und aus Österreich angefordert. Es gibt jedoch keinen Grund zur Beunruhigung, “von Stromknappheit kann keine Rede sein”, erklärte eine Sprecherin der Bundesnetzagentur. Die vergleichsweise entspannte Lage ist auch den immer stärker werdenden erneuerbaren Energien, insbesondere der Solarenergie zu verdanken, die zu Spitzenzeiten so viel Strom wie 9 Atomkraftwerke erzeugte. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) spricht von einem “echten Härtetest”, der aber “in Deutschland auch mit Wind und Solar gut bewältigt” werde.
Die Nutzung der sogenannten “Kaltreserve”, die im Rahmen der Stilllegung von acht Kernkraftwerken im Zuge der Energiewende angelegt wurde, sei ein ganz normaler Vorgang, hieß es. Ende August hatte Bundesnetzagentur-Präsident Matthias Kurth darauf hingewiesen, dass man mehrere alte Kraftwerke in Deutschland (Gesamtleistung: 1009 Megawatt) und einige in Österreich (Gesamtleistung: 1075 Megawatt) als Reserve für mögliche Engpässe im Winter in Betrieb halte. So sollte verhindert werden, dass ein AKW im “Stand-By-Modus” laufen muss.
In der letzten Woche hatten die Netzbetreiber Ersatzkapazitäten angefordert, die aus dem Kohlekraftwerk Mannheim 3, den Gaskraft- werken Theiß und Korneuburg und dem Ölkraftwerk Neudorf-Werndorf (alle in Österreich) bereitgestellt wurden. Die angeforderte Leistung belief sich auf 685 Megawatt, was als “eher gering” eingestuft wird. Es war nicht das erste Mal, dass Deutschland zusätzliche Kapazitäten aus Österreich angefordert hat. Im Dezember nutzte der bayerische Netzbetreiber Tennet diese Möglichkeit aus betriebswirtschaftlichen Gründen und zapfte damals schon die Reserven in Österreich an. Die extreme Nachfrage in Frankreich hat zwischenzeitlich für massiv erhöhte Strompreise an der Börse gesorgt, am letzten Donnerstag schnellten die Preise auf bis fast 2 Euro pro Kilowattstunde. In Deutschland kostete die Kilowattstunde aktuell rund 16 Cent. (mh)





